Wesel: "Ich bin endlich angekommen"

Wesel: "Ich bin endlich angekommen"

Pfarrer Winfried Junge bleibt nun dauerhaft in seiner Kirchengemeinde. Für ihn ist damit ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.

Das diesjährige Weihnachtsfest ist für Pfarrer Winfried Junge ein ganz besonderes. Denn der 62-Jährige wird es in seiner neuen Heimat Wesel feiern. "Ich bin endlich angekommen. Hier, in der evangelischen Kirchengemeinde Bislich, Diersfordt und Flüren, fühle ich mich zu Hause, ich liebe die Menschen hier. Es ist einfach großartig", sagt er und strahlt über das ganze Gesicht.

Genau genommen feiert Pfarrer Junge Heiligabend aber gar nicht zum ersten Mal in Wesel. Denn schon seit Anfang März 2016 ist er in der Gemeinde aktiv, die ihn mehr als herzlich aufgenommen hat. Damals kam er als Vertreter für den erkrankten Pfarrer Armin Becker, der zum 1. Dezember dieses Jahres in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet wurde.

Als klar wurde, dass die Stelle neu besetzt werden musste, unterbreitete Superintendent Thomas Brödenfeld dem Aushilfspfarrer das Angebot, doch ganz zu bleiben. Zahlreiche Gemeindeglieder hatten sich genau das gewünscht und Brödenfeld mitgeteilt, dass sie ihren Pfarrer Junge nur zu gerne behalten würden. "Ich habe die Stelle mit großer Freude angenommen", sagt der aus Oberhausen stammende Seelsorger, der Anfang des Monats vom Presbyterium einstimmig zum neuen Gemeindepfarrer gewählt wurde und 2018 ganz offiziell in sein Amt eingeführt wird. Spätestens dann will er auch von Viersen nach Wesel ziehen, wo er dauerhaft bleiben möchte.

Nicht nur die Menschen und die Aufgabe hier haben es ihm angetan. Auch dass Wesel am Rhein liegt, ist für ihn beglückend. Und das hat etwas mit seiner Liebe zum Bodenseegebiet zu tun. Denn bekanntlich wird der Bodensee durch den Rhein gespeist. "Immer, wenn ich in Bislich am Fähranleger stehe, überkommt mich ein wunderbares Gefühl - ausgelöst durch die Ruhe, die der Rhein mir vermittelt. Und auch die Sonnenuntergänge dort sind einfach traumhaft", schwärmt er.

Auch wenn Junge in seinem Leben viel gesehen, viel erlebt und mehrere Wohnortwechsel mitgemacht hat ("Ich saß oft auf gepackten Koffern"), so ist doch überzeugt, dass "es am Ende ein gerader Weg war, der mich hierhergeführt hat".

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Stationen auf dem Weg nach Flüren waren unter anderem Wuppertal, Bonn und Bochum, wo er Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre evangelische Theologie studiert. Durch einen Freund kommt er dann Ende der 80er Jahre nach Kusel bei Kaiserslautern, wo er viele Jahre in der romantischen Burg Lichtenberg nicht nur unzählige Paare traut, sondern auch als Notfallseelsorger tätig ist, die dortige Sozialstation managt und am Ende obendrein auch noch zwei Pfarrstellen vertretungsweise mitbetreut. Eine Mammutaufgabe, die er dann 2005 aus eigenen Stücken beendet hat, um sich in den Jahren darauf im saarländischen St. Wendel als selbstständiger Familien- und Paartherapeut auf das konzentrieren zu können, was ihm wirklich wichtig ist: die Seelsorge.

2014 wächst in Junge der Wunsch, zurück in den kirchlichen Dienst zu gehen. Er packt alle Habseligkeiten in seinen Twingo und fährt ins Kloster der Franziskanerinnen in Sießen (Kreis Sigmaringen), um sich auf seinen ursprünglichen Beruf vorzubereiten und von dort Kontakt zur Rheinischen Landeskirche aufzunehmen, denn es zieht ihn zurück in heimische Gefilde - der Menschen wegen. "Ich wäre auch nach Emmerich gegangen. Hauptsache, ich bin am Niederrhein." Dass es nun Wesel am Rhein geworden ist, freut ihn.

Freude empfindet Junge auch bei dem Gedanken, dass morgen Heiligabend ist. "Für mich der wichtigste Tag im ganzen Jahr. Der Gott, dessen liebevolle Zuwendung wir missachten und deshalb auch so lieblos mit uns und unseren Mitmenschen umgehen, kommt auf uns zu, macht Frieden und bietet uns die Hand der Versöhnung an in Gestalt eines Kindes - unbegreiflich." Mit der Geburt Jesu komme Licht in die Finsternis. Die Überwindung der Finsternis ist auch das Hauptthema seiner Predigt an Heiligabend. Nur ein paar Stichpunkte wird er sich aufschreiben. "Alle meine Predigten sind Originale, die ich frei halte. Ich möchte nämlich auf die Menschen, die den Gottesdienst besuchen, eingehen."

Er selbst wird an Heiligabend erst sehr spät in Viersen ankommen, sich dort noch ein Brötchen schmieren und ins Bett gehen, damit er am nächsten Morgen frohgemut die gut 80 Kilometer nach Wesel fahren kann. Dort, wo er die Menschen liebt, sich zu Hause fühlt und endlich angekommen ist.

(RP)