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Hamminkeln/Schermbeck/Hünxe: Arbeit für Gas-Pipeline ärgert Bauern

Hamminkeln/Schermbeck/Hünxe : Arbeit für Gas-Pipeline ärgert Bauern

Die Vorbereitungen für Zeelink-Probebohrungen im Raum Marienthal kommen unvermittelt. Landwirte klagen über Gummimatten auf ihren bestellten Feldern und fragen nach Regelungen für eventuelle Flur- oder Materialschäden.

Rund um Marienthal sind Landwirte derzeit in Habachtstellung. Seit einigen Tagen sorgen Gummimatten auf ihren teils bereits bestellten Feldern für Aufregung. Offensichtlich sind die Trägerplatten Fahrspuren zur anstehenden Untersuchung des Bodens und des Baugrunds für die Erdgas-Pipline Zeelink. Entsprechende Informationen zum Zeitplan und Details, so schilderten es Betroffene gestern gegenüber unserer Redaktion, habe es aber nicht gegeben. Die Eigentümer beziehungsweise Nutzer der Flächen beklagen vor allem, dass sie nichts Belastbares auf Papier in Händen halten. Schließlich müssten die Betroffenen doch um Einverständniserklärungen gebeten werden. Zudem müsse geregelt sein, wer haftet und wie eventuelle Schadenersatzforderungen geregelt werden.

"Dreist ist untertrieben", sagte ein Landwirt zum Vorgehen. Teils seien Kollegen oder Nachbarn angerufen worden, was sicher nicht ausreiche. Er aber wisse zum Beispiel offiziell "von nix". Er werde sich nun an einen Anwalt wenden und wisse von anderen, dass sie gleichfalls Erkundigungen einzögen.

Befürchtet wird unter anderem, dass es wegen der Bohrungen zu Austritten kommt oder bei den Arbeiten genutzte Teile vergessen werden, die dann bei der Ernte die landwirtschaftlichen Maschinen beschädigen. Solche Eventualitäten wollen die Betroffenen im Vorfeld geklärt wissen. "Das muss jetzt geprüft werden, sonst bohrt hier erstmal keiner ein Loch in unseren Weizen."

Die Open Grid Europe (OGE) GmbH, die den Bau der in Zeebrügge (Belgien) startenden Gas-Fernleitung auf deutschem Gebiet von Aachen bis Legden im Münsterland betreibt, bestätigte gestern auf Anfrage, dass auf Hünxer und Hamminkelner Flächen jetzt die besagten Boden- und Baugrunduntersuchungen durchgeführt werden. Ein Sprecher des in Essen ansässigen Unternehmens erklärte, die Arbeiten seien mit den Behörden abgesprochen und von diesen genehmigt worden. Überdies seien die Betroffenen rechtzeitig informiert worden. Der OGE- Sprecher beruft sich in dem Zusammenhang auf Anschreiben vom September vergangenen Jahres sowie auf spätere mündliche Unterrichtungen der Eigentümer. Lediglich an diese könne man sich wenden, da Listen eventueller Pächter der OGE nicht vorlägen beziehungsweise sein Haus keine Einsicht in solche habe. Gleichwohl seien Eigentümer darauf hingewiesen worden, Pächter oder Nutzer über das Vorhaben zu informieren.

In besagtem Schreiben erläutert beispielsweise die ausführende Ingenieurgesellschaft Arccon aus Gelsenkirchen, dass vor Beginn der Arbeiten und danach der Baugrund jeweils fotodokumentiert wird. Diese Beweissicherung diene dazu, vorhandene oder verursachte Flurschäden festzuhalten. Mit den Eigentümern werde dann ein Oberflächenabnahmeprotokoll erstellt. Auf dessen Grundlage werde gegebenenfalls eine Schadensregulierung durch einen landwirtschaftlichen Sachverständigen der OGE erfolgen. Zum Einsatz kämen bei den Untersuchungen selbstfahrende Rammsonden mit einer Wirkung bis zu einer Tiefe von zehn bis 25 Meter. Etwa eine Woche vor Beginn der Arbeiten, die zwei bis drei Tage dauern würden, wollte man telefonisch informieren. Ob bei den Dokumentationen oder den Arbeiten Eigentümer und Nutzer der Flächen dabei sein sollten, konnte der OGE-Sprecher gestern nicht sagen, doch wolle er sich noch danach erkundigen. Betroffene Bewirtschafter halten jedoch das Schreiben und auch mündliche Informationen für belanglos. Es müsse zumindest das Einverständnis zum Betreten der Flächen schriftlich eingeholt werden. Der Bauernverband, so hieß es, sehe das ähnlich.

Gerade im Raum Hünxe/Schermbeck/Hamminkeln hat es unlängst bekanntlich Proteste gegen den Bau der Zeelink-Leitung und und besonders gegen ihren voraussichtlichen Trassenverlauf gegeben. Zuletzt waren Vertreter der Region in der Landeshauptstadt Düsseldorf vorstellig geworden, um ihre Bedenken den zuständigen NRW-Ministerien vorzutragen. Diese teilten die Sorgen nicht.

(fws)