Wenn Weihnachtsplätzchen zur Währung werden

In der Stadtbücherei Wermelskirchen : Weihnachtsplätzchen werden zur Währung

Zum zweiten Mal lud das Team der Stadtbücherei zum Probieren, Plaudern und Austauschen von Rezepten ein. Klassiker und Neuheiten waren gleichermaßen beliebt.

Beate Nowoczin beißt genüsslich in ein Kokos-Marmeladen-Plätzchen. Sie kaut konzentriert, schmeckt Feinheiten heraus und lacht dann fröhlich: „Das Rezept möchte ich auch mal ausprobieren“, sagt die Hückeswagenerin dann und sieht sich in der inzwischen großen Auswahl der Rezepte um. Zuvor ist sie selbst mit ihrer großen Plätzchendose von Tisch zu Tisch im Cafébereich der Stadtbücherei spaziert, hat Berliner Brot und Heidesand, Schokotaler und Spritzgebäck auf den Kekstellern verteilt. Kleine Tüten mit den Köstlichen hat sie bei der wachsenden Auswahl am Rande des Bücherregals platziert. Und jetzt lässt sie es sich schmecken.

„Ich suche noch nach dem perfekten Rezept für Spritzgebäck“, sagt sie, während sie das nächste Plätzchen probiert. Vier verschiedene Sorten backt sie inzwischen, aber nach der Perfektion sucht sie weiter. „Ich möchte auch neue Rezepte kennenlernen“, sagt sie. Und deswegen hat sich Beate Nowoczin über das siebte Türchen des lebendigen Adventskalenders in der Stadtbücherei gefreut und sich auf den Weg nach Wermelskirchen gemacht. Hier sammelt sie Rezepte und stellt auch ihre eigenen Seiten aus dem heimischen Backbuch zur Verfügung. Sie habe in diesem Jahr auch auf der kreativen Onlineplattform Pinterest nach Rezepten gesucht, erzählt sie dann. Das Ergebnis lautet „Traumstücke“ und schmeckt nach Vanille. „Lecker“, befindet Organisatorin Sabrina Ollig und verrät, dass ihr eigenes Rezept für die Kokos-Marmeladen-Plätzchen auch von Pinterest stammt. Und schon sind die beiden Frauen mittendrin im Gespräch über gute Rezepte, tauschen Tipps aus und finden schnell Gemeinsamkeiten.

Es ist der zweite Versuch einer Plätzchenbörse in der Stadtbücherei. Schon im vergangenen Jahr brachten versierte Hobbybäcker Plätzchen und Rezepte mit – um Kekstüten und Backanleitungen auszutauschen. In diesem Jahr ist die Resonanz deutlich größer. Es riecht nach Kaffee und Kinderpunsch, es ist ein Kommen und Gehen. Gerade durchstöbert eine ältere Dame die Rezepte: Sie habe auf den Kekstellern ein Plätzchen mit viel Baiser und Mandeln entdeckt und suche nun die passende Backanleitung dazu. „Wären nur all die Kalorien und der viele Zucker nicht“, sagt sie und denkt an ihren Zuckerspiegel. Aber dann findet sie mit ein bisschen Hilfe einer anderen Besucherin das kleine Rezept für die Zimtplätzchen mit Baiser und steckt es vorsichtshalber doch mal in die Handtasche.

Manche Besucher sind heute zum ersten Mal dabei, andere Stammgäste aus der Stadtbücherei. „Es gab sogar eine Familie, die zur Plätzchenbörse zum ersten Mal zu uns in die Bücherei kam“, erzählt Sabrina Ollig. Sie nahm nicht nur Plätzchen und Rezepte mit nachhause, sondern schloss auch gleiche eine Mitgliedschaft zur Nutzung des literarischen Angebots in der Bücherei ab.

Andere genießen am Samstagmorgen den ruhigen Moment im Advent. „Man backt doch sonst immer die bewährten Plätzchen“, erzählt Sabrina Ollig, „die meisten Rezepte hat man im Kopf.“ Jedes Jahr habe sie sich vorgenommen, auch mal neue Kekse zu backen und sei doch immer bei den bewährten Rezepten gelandet.

Die Tauschbörse hat den Plätzchen-Horizont nun deutlich geweitet. Ihr Favorit? „Das Rezept mit Kardamom und Salz“, sagt sie. Die kleinen Köstlichkeiten habe eine Hobbybäckerin schon ganz am Anfang der Veranstaltung auf die Keksteller gelegt – sie seien schnell weg gewesen. Das Rezept hat sich Sabrina Ollig bereits gesichert, um es bald nachzubacken. Und auch Beate Nowoczin macht sich am Samstagmittag mit ein paar Tüten neuer Kekse und neuen Rezepten auf den Weg Nachhause.