Wermelskirchen: Gnadenkonfirmation in der Heimat

Wermelskirchen: Gnadenkonfirmation in der Heimat

Die evangelische Stadtkirchengemeinde feierte am Sonntag seine Jubelkonfirmanden. Insgesamt 82 Jubilare wohnten dem gemeinsamen Gottesdienst und anschließendem Mittagessen im Gemeindehaus bei.

Der älteste Jubilar des Tages, der 94-jährige Werner Engels, feierte vor genau 80 Jahren seine Konfirmation in der Wermelskirchener Stadtkirche und wurde später, nach seiner russischen Gefangenschaft, selbst Pfarrer. Und weil er selbst mal Seelsorger war, weiß er um die Wichtigkeit eines solchen Jubiläums. "Natürlich wollte ich an einem solchen Tag dabei sein", sagte der rüstige Rentner pfiffig. "Und ich bin froh, dass noch erleben zu können."

Im Jahr 1938 feierte Engels seine Firmung in der Wermelskirchener Stadtkirche, damals unter Pastor Winkler. Ein ernster Mann, wie sich der 94-Jährige noch lebhaft erinnert. "Aber ein ganz netter, umgänglicher Mensch. Er hatte nur seinen ganz eigenen Stil. Bei ihm gab es nichts rechts und nichts links davon." Streiche und Schabernack, wie im pubertären Alter gewöhnlich gewesen wären, gab es zu seiner Zeit nicht. Mitten im Kriegsgeschehen, von dem Engels berichtet, galt die Disziplin. Nicht so bei Anneliese Kirchhof. Die heute 89-Jährige erinnert sich noch gut an ihren großen Tag. "Es war der 9. August 1943, mitten im Krieg." Kirchhof, die in Ostpreußen geboren wurde und aufwuchs, gehörte zum Kirchspiel des Kreises Ortelsburg, dem heutigen Masuren. "Ich weiß, dass wir zum Unterricht immer drei Kilometer zur Kirche laufen mussten. Aber damals waren wir Kinder, das war kein Problem. Heute würde ich das nicht mehr schaffen", sagt Kirchhof und lächelt. Streiche hätten sie in Ostpreußen auch während des Krieges noch lebhaft gespielt. Der Gang in die Kirche habe sie davor bewahrt, von der Polizei eine Strafe zu erhalten. "Wir hatten die Fenster von Nachbarn mit Asche und Wasser verdunkelt und wurden bei der Polizei gemeldet", erzählt die 89-Jährige. Die Beamten suchten nach den Tätern und waren auch an Kirchhofs Fersen. "Aber als sie sahen, wie ich mit meiner Familie aus der Kirche kam, glaubten sie wohl, dass Kirchgänger so etwas nicht machen würden."

1962 zog sie nach Wermelskirchen und seitdem ist die Stadtkirche ihre Heimatgemeinde. Hier ihre Gnadenkonfirmation feiern zu können freute sie: "Auch, wenn es körperlich nicht mehr so gut funktioniert, im Kopf bin ich noch klar."

Wie wichtig ihm sein Glaube noch sein würde, sollte Werner Engels Jahre nach seiner Konfirmation erfahren, als er inmitten des Krieges in russische Gefangenschaft geriet. "Ich studierte Maschinenbau, als ich mit 18 Jahren als Soldat eingezogen wurde." Erst acht Jahre später, mit 26, kehrte er in seine Heimat zurück. "Ich war fünf Jahre in russischer Gefangenschaft. Dort habe ich für mich die Entscheidung getroffen, dass ich der Kirche meinen Dienst erweisen will."

Als Engels zurückkehrte, zog er nach Hessen und wurde Pfarrer. "Über 30 Jahre war ich dort, habe eine Familie gegründet, war im Pfarramt tätig. Und vor 24 Jahren bin ich dann zurück in meine alte Heimat gezogen." Dass er an diesem Tag in seiner Heimatgemeinde seine Gnadenkonfirmation feiern und erleben durfte, rührte den Senior sichtlich. Aus seinem Jahrgang ist Engels der einzige überlebende.

(sebu)