Viersen: Kirche in der Diskussion

Viersen: Kirche in der Diskussion

Die geplante Auflösung der Gemeinden St. Joseph und St. Notburga war das Gesprächsthema an Pfingsten. Während in St. Joseph die Glocken zur Mahnung läuten, hält man sich in St. Notburga noch zurück.

Elisabeth Boxberg ist empört – wie so viele in der Pfarre St. Joseph in Viersen. Doch die 65 Jahre alte Grundschullehrerin wollte es nicht bei einem einmaligen Aufschrei der Empörung belassen. Sie setzte sich am Pfingstmontag hin und schrieb einen persönlichen Brief an den Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff. „Ich protestiere gegen die Zerschlagung der hiesigen Pfarrgemeinde St. Joseph“, schreibt sie.

Wie Elisabeth Boxberg sind viele Katholiken in der Viersener Südstadt enttäuscht vom Vorgehen des Bischöflichen Generalvikariats in Aachen. Das hat – entgegen früherer Planungen – die Auflösung der beiden Kirchengemeinden St. Joseph (mit Papst-Johannes-Zentrum und St. Konrad) und St. Notburga im Rahser verfügt. Beide Gemeinden sollen zum 1. Januar 2009 in die Kirchengemeinde St. Remigius einfließen. Seit Pfingstmontag läuten deshalb in St. Joseph täglich um 15 Uhr die Glocken, als Mahnung und aus Protest gegen das Vorgehen des Bischofs (die RP berichtete am Samstag).

Für Thomas Nilles ist das Vorgehen der Bischöflichen Verwaltung nach wie vor nicht nachvollziehbar. Nilles ist seit dem vergangenen Jahr stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Joseph. Der Unternehmer wollte sich stärker ehrenamtlich engagieren wie viele andere in der Gemeinde, die seit dem Weggang von Regionaldekan Alexander Schweikert ohne eigenen Pfarrer ist. „Wir wehren uns nicht gegen Änderungen“, sagte Nilles gestern im RP-Gespräch. Aber das Vorgehen des Bistums sei „rücksichtslos“ und nicht zu akzeptieren. Elisabeth Boxberg lebt seit 17 Jahren mit ihrer Familie im Bezirk der Pfarre St. Joseph. Sie bekleidet dort kein offizielles Amt, obwohl sie sich viele Jahre ehrenamtlich engagiert hat – bei der Betreuung der Kommunionkinder. Für sie und ihre Familie ist die Pfarre zu einem Stück Heimat geworden. Das sieht die Lehrerin nun gefährdet. „Und dagegen protestiere ich“, sagte sie gestern im RP-Gespräch. Beim Stichwort „Priestermangel“ fällt ihr unter anderem ein, dass viele Priester in der Bistumsverwaltung untergebracht sind. „Davon könnten bestimmt etliche sinnvoller in einer Gemeinde arbeiten“, so Elisabeth Boxberg.

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Ganz so weit wie in St. Joseph ist man in St. Notburga offensichtlich noch nicht. Auch gestern Nachmittag blieben hier die Kirchenglocken stumm. „Über eine ähnliche Aktion wie in St. Joseph müssen wir erst noch beraten“, so Pfarrgemeinderatsvorsitzende Roswitha Delbos. Hier wie in St. Joseph wollen sich die Katholiken aber nicht unterkriegen lassen. „Wir Ehrenamtlichen werden kämpfen“, sagte Roswitha Delbos.

Die Gremien werden über das weitere Vorgehen beraten – in St. Joseph in der kommenden Woche wieder.

(RP)
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