Viersen: "Halbvilla" mit Geschichte

Viersen: "Halbvilla" mit Geschichte

Das erste Haus an der Theodor-Frings-Allee in Dülken war das Wohnhaus des ersten Bürgermeisters nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute wartet es auf einen Liebhaber alter Häuser. Beim Denkmaltag kann es besichtigt werden.

"Ist das schön kühl hier!" Die repräsentative alte Villa an der Theodor-Frings-Allee in Dülken wirkte auf Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff wie ein Kühlschrank, als sie aus der hochsommerlichen Hitze kommend eintrat. Im Winter allerdings muss die Gaszentralheizung tüchtig arbeiten, um die bis zu 3,70 Meter hohen Räume zu erwärmen. Neun Zimmer hat das Haus auf 240 Quadratmetern – im Erdgeschoss liegen die deutlich aufwändiger mit Stuckdecken ausgestatteten Räume: Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Bauunternehmer Heinrich Fürwentsches häufig Gäste und Kunden zu empfangen.

Das reich verzierte Treppenhaus ist typisch für Einfamilienhäuser aus der so genannten Gründerzeit Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: Busch

Dass ein Bauunternehmer auch der Bauherr war, ist an vielen Details zu erkennen: Aus gutem Eichenholz, gedrechselt und geschliffen, ist das gesamte Treppengeländer, das bis unter das Dach führt. Am unteren Pfosten ist ein geschnitztes Männerporträt zu erkennen: Es stellt den Bauherrn dar, darunter stehen seine Initialen H.F. und das Baujahr 1889. Aber auch sonst gibt es viel Originales zu sehen: neben den hervorragend erhaltenen floralen Stuckornamenten sind dies vor allem die Fliesen im Eingangsbereich, die Kronleuchter in den unteren Räumen und die wertvollen Kassettentüren. Schließlich hat ja dort auch der erste Dülkener Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg gewohnt: Dr. Karl-Heinz Fischer-Fürwentsches.

Halb freistehend

Heute steht die "halb freistehende Halbvilla", wie Ellen Westerhoff das Gebäude bezeichnet, zum Verkauf. Damit beauftragt ist die Immobilienfirma Engel & Völkers in Krefeld, die aufgrund ihres überregionalen Netzwerkes gerade solch besondere Immobilien in ihr Programm aufnimmt. So wartet die Villa jetzt, wie Mitarbeiter Wendt von Gagern erläutert, auf eine größere Familie oder einen Freiberufler. Auf jeden Fall sollten hierher, in die denkmalgeschützte "Villa am Gelände des historischen Stadtgrabens", wie es in dem Exposé heißt, Liebhaber eines historischen Wohnambientes ziehen. Sie finden eine überwiegend gute Bausubstanz vor, die eine gute Grundlage für "Wohnen im Denkmal" bildet.

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Liebevoll ausgedachte Details überraschen den Betrachter – zum Beispiel eine Taschenablage an der Tür zur Gästetoilette oder drei Wappen im bleiverglasten Fenster des Treppenhauses. Das eine zeigt das Familienwappen mit den beiden verschlungenen F, das zweite das historische Dülkener Wappen als Wohnort des Erbauers und das dritte das Wappen seiner Geburtsstadt Köln.

Auch das wertvolle Dielenparkett ist noch original, besonders attraktiv sind die möbelartigen Verkleidungen der Heizkörper. Dass der Bauherr sozial eingestellt war, sieht man an den Gesindestuben unter dem Dach: In den gemütlichen und großzügigen Zimmern konnten sich die dienstbaren Geister durchaus wohlfühlen.

Zu der Villa gehört ein großer Garten mit altem Baumbestand. Und wer von der Straße die Fassade der beiden "Halbvillen" mit ihren Schmuckformen und attraktiven Rundbogenfenstern bewundert, der erliegt sicher dem Charme, den die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Reihe von aufwändig gestalteten Wohnhäusern noch heute ausstrahlt.

(flo)