Viersen: Öko nicht attraktiv genug

Viersen : Öko nicht attraktiv genug

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen, Paul-Christian Küskens, spricht im Interview über die Probleme der Bio-Betriebe im Kreis Viersen.

Gibt es im Kreis Viersen zu wenige Öko-Landwirte?

Paul-Christian Küskens Wir haben einige Bio-Landwirte, die ihre Nische gefunden haben. Die Betriebe, die ökologisch produzieren, machen es auch gut. Ob es noch Potenzial für weitere Bio-Bauern gibt, weiß ich nicht. Es muss sich wirtschaftlich rechnen. Alles geht rein über den Preis.

Erkennen Sie einen Trend zu Bio-Produkten im Kreis Viersen?

Küskens Wir haben Direktvermarkter, die konventionell zu einem sehr hohen Standard produzieren. Öko-Landbau wird parallel dazu gefahren. Das Problem ist, man fordert Bio-Produktion und will Lebensmittel wie gemalt. Das fällt schwer.

Sie sind Milcherzeuger. Kommt für Sie ein Umstieg in Frage?

Küskens Bei mir als Milchviehhalter würde sich bei einem Umstieg die Produktion so verteuern, dass es sich nicht rechnet. Da muss ich Lehrgeld zahlen. Mein Kuhstall produziert 10 000 Liter Milch im Jahr. Ich brauche Sojaschrot als Tierfutter, das ich importiere. Das geht nicht, wenn es ein Biobetrieb wäre. Ich bräuchte anderes Futter und muss vielleicht die Rasse wechseln. Und ich muss vor allem mehr Kühe halten für die gleiche Milchmenge. Der zusätzliche Zukauf des Futters wird so viel teurer, dass er einen Mehrerlös auffrisst.

Aus Ihrer Sicht ist ein Umstieg also wenig reizvoll?

Küskens Politisch kann man sich das vielleicht wünschen, mehr Bio-Betriebe zu haben. Aber die Anreize sind derzeit nicht so stark, dass sich ein Wechsel lohnt. Dann müsste die Politik die Rahmenbedingungen so setzen, dass ein Wechsel attraktiv wird. Wir als Landwirte haben Märkte, die stark ziehen und wo wir nicht Gefahr laufen, dass unsere Produkte nicht gekauft werden. Bei Getreide zum Beispiel ist die Nachfrage hoch, die Ernte wird geringer ausfallen. Warum sollte ich da das Risiko gehen und wechseln?

Welche Märkte meinen Sie?

Küskens Wir erfahren derzeit eine Flächen-Knappheit durch Bioenergie. Ein ökologischer Lebensmittelanbau muss interessanter sein, als Mais für Biogasanlagen zu produzieren. Die Landesregierung muss einsehen, dass sie die Nahrungsmittelproduktion sicherstellen muss.

Andreas Gruhn führte das Gespräch.

(RP)