Schwalmtal: Wurst vom glücklichen Schwein

Schwalmtal : Wurst vom glücklichen Schwein

Auf dem Hof von Paul Jacobs in Schwalmtal verkauft Gertrud Andrzejewski Fleisch und Aufschnitt. Seit 25 Jahren steht sie hinter der Theke und bietet den Kunden nur das an, was sie auch selbst mit nach Hause nimmt.

Die Schweine suhlen sich hinter dem Stalltrakt grunzend im Schlamm und sind vor allem für die Kinder eine Attraktion. "Für die meisten Kunden gehört es zu ihrem Einkauf dazu, die Tiere zu besuchen. Viele Stadtkinder kennen gar keine richtigen Schweine mehr und stehen staunend davor", erzählt Gertrud Andrzejewski. Sie steht seit 25 Jahren auf dem Hof von Paul Jacobs hinter der Fleischtheke.

Alles frisch geschnitten

Die Auslage im kleinen Laden hinter der Metallschiebetür wirkt wie die einer gut geführten Metzgerei. Grillfleisch, Gehacktes, Leberkäse, Schinken, dicke und dünne Würste warten gut gekühlt hinter Glas auf die Kunden. Sie bekommen auf Wunsch die Ware geschnitten und portioniert. "Wir verkaufen alles auch scheibchenweise. Bei mir gibt es nur nichts vorgeschnitten. Das mache ich bei jedem Kunden extra. Das dauert zwar ein bisschen länger, ist dafür aber frisch", betont Gertrud Andrzejewski.

Sie weiß bei den meisten Leuten schon, ob sie Salami oder Sülze lieber dick oder dünn geschnitten haben wollen. "Die meisten sind Stammkunden. Einige kommen schon, seit ich hier damals angefangen habe. Bei anderen kommt schon die nächste Generation, die bei sich das auf dem Tisch haben will, was sie von zu Hause kennt." Sie schätzen besonders die hohe Qualität.

Fleisch und Wurst stammen nicht nur von glücklichen Schweinen und Rindern aus der Region, sie sind auch nicht von gestern. Wenn der Laden freitags und samstags öffnet, kommen die Waren direkt aus der Metzgerei von Peter Jacobs aus Breyell. Er verarbeitet die Schweine seines Zwillingsbruders Paul. "Er hat hier auf dem Hof ganz klein angefangen und dann in eine Fleischerfamilie eingeheiratet", berichtet Paul Jacobs. Er versucht, seine Tiere möglichst artgerecht zu halten. "Sie haben Bewegungsfreiheit, und da die Ferkel alle aus einem Betrieb kommen, bringen sie wenige Krankheitserreger mit, und wir kommen ohne Medikamente aus."

Der Landwirt isst selbst alles, was seine Schweine so hergeben, und hat sein Fleisch noch nie im Supermarkt gekauft. "Die hausgemachte Leberwurst und Gehacktes mit Zwiebeln gibt es bei uns regelmäßig." Im Laden gehen besonders häufig die Frikadellen über die Theke. "Samstags ist die Nachfrage nach unserer Erbsensuppe besonders groß. Die kochen wir frisch und verkaufen sie heiß", sagt Gertrud Andrzejeweski.

Sie legt großen Wert darauf, den Kunden nichts anzudrehen. "Ich bediene so, wie ich selbst gerne bedient werden möchte und verkaufe auch nur das, was ich selbst auch nach Hause mitnehmen würde. So habe ich es gelernt, und das ist mein Leitspruch geblieben." Viele Kunden kommen daher auch ein bisschen ihretwegen.

"Wir sind hier ganz familiär. Die Leute wissen von mir einiges und ich von ihnen. Es ist ein wenig wie beim Friseur." Alle drei Monate kommt eine Familie aus Heinsberg zum Einkaufen auf den Hof. "Wenn die wieder fahren, haben sie ein halbes Schwein im Auto", sagt Gertrud Andrzejeweski lachend.

(RP)