Viersen: Endspurt für die Schutzengel

Viersen: Endspurt für die Schutzengel

Im Kinder- und Jugendtreff Alo nähen junge Mütter eifrig Engelskostüme. Die Gruppe möchte in den selbst gemachten Outfits am Dülkener Rosenmontagszug teilnehmen. Auch Accessoires stellen die Frauen her

Ein leises Klacken verrät, dass die Spule in der Nähmaschine an Ort und Stelle sitzt. Mirijam greift zu dem pinkfarbenen Stoff, der neben ihr liegt. "Habe ich den Saum für den Schlauch breit genug abgesteckt?", möchte die 33-Jährige von Lisa-Marie wissen. Ein kurzer Blick mit einem sich anschließenden zustimmenden Nicken gibt grünes Licht für den Näheinsatz. Stück für Stück zieht Mirijam jetzt die Abstecknadeln aus dem Stoff heraus und lässt die Maschine entlang dieser Linie loslegen. Aber nicht nur bei ihr rattert fleißig die Nähmaschine. Der Gruppenraum im Dülkener Kinder- und Jugendtreff Alo der Pfarrgemeinde St. Cornelius und Peter hat sich in ein Nähzentrum verwandelt.

An den zusammengeschobenen Tischen sitzen jede Menge junger Mütter und sind damit beschäftigt, pinke Engelskostüme zu produzieren. "In diesem Jahr kam uns die Idee, als Schutzengel beim Karnevalszug mitzuziehen", berichtet Einrichtungsleiterin Bettina Passon, deren Engelskostüm schon fertig im Büro hängt. Dort stapeln sich auch die Heiligenscheine und die Flügel, denn die gehören zu Schutzengeln unabdingbar dazu. 48 Engel werden beim Dülkener Rosenmontagszug zu sehen sein, wobei der jüngste acht Monate und der älteste Himmelsbote 47 Jahre alt ist.

Seit mehreren Jahren vergrößert sich der wöchentliche Nähkursus immer in den Wochen vor Karneval. Nicht nur die jungen Mütter, die dem Kursus über das ganze Jahr angehören, sind dann fleißig bei der Arbeit. Nutzerinnen der verschiedenen Angebote der Frühen Hilfen der Stadt Viersen kommen hinzu. "Sie alle zusammen bilden die nähende Karnevalsgruppe", informiert Nicole Henneböhl von der Fachstelle Frühe Hilfen der Stadt Viersen.

So manch einen von den Neulingen packt das Nähfieber weit über das Nähen eines Karnevalskostüms hinaus. "Ich habe vorher nie ans Nähen gedacht. Mir macht es riesig Spaß. Es ist einfach cool, etwas Eigenes herzustellen. Das Schöne im Alo ist das Arbeiten in der Gruppe. Wenn man mal etwas nicht hinkriegt oder nicht weiß, wie es geht, ist sofort jemand da, der hilft. Man lernt eine Menge dazu. Super ist auch die Kinderbetreuung während der ganzen Zeit", sagt Sarah, die gerade dabei ist, einen Saum am Kostüm aufzutrennen, der doch nicht so gerade geworden ist, wie er sollte. Ihre zweijährige Tochter Romy spielt derweil im Nebenraum. Ab und zu kommt das Mädchen in den Nähraum und schaut, was Mama da eigentlich macht.

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Auch die 18 Monate alte Mia unterbricht ihr Spiel, um immer mal wieder kurz eine Runde mit ihrer Mutter Celine zu kuscheln. "Ich bin seit anderthalb Jahren dabei und kann nur sagen, es ist eine tolle Sache. Ich hatte damals keine Ahnung vom Nähen und habe jetzt schon etliches selber hergestellt", erzählt die 21-Jährige.

Für Fachfragen steht Angela Gillißen immer zur Verfügung. "Ich habe einst in der Rheinischen Post gelesen, dass das Alo eine ehrenamtliche Fachfrau fürs Nähen suchte, und seitdem bin ich hier", sagt Gillißen. Sie freut sich, wenn sie andere fürs Nähen begeistern kann.

An den Kleiderstangen im Flur wird es indes immer voller. Die Engelkostüme in pink für die Mädchen von klein bis groß und in silberfarben für die mitziehenden kleinen Jungen werden nach und nach alle fertig. "Zudem nähen wir noch Mützen und Schals in pink für die Mädchen und in schwarz für die Jungen, damit wir im Zug schön warm eingemummelt sind", sagt Passon.

Wenn die Gruppe nun am Montag, 12. Februar, ab 13.11 Uhr im Dülkener Rosenmontagszug mitläuft, dann tragen die Teilnehmer nicht nur ihre selbstgenähten Kostüme, sondern es gibt noch eine weitere Besonderheit. Die Frauen und ihre Kinder ziehen ohne einen Tropfen Alkohol mit, und es wir auch kein Schluck getrunken. Sie wollen zeigen, dass man auch ohne Alkohol Spaß im Karneval haben kann. Zigaretten sind ebenso tabu.

(tref)