1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Brüggen: Archäologen suchen eine Burg in Bracht

Brüggen : Archäologen suchen eine Burg in Bracht

Die Neugestaltung des Bischof-Dingelstad-Platzes in Bracht verzögert sich. Grund sind archäologische Untersuchungen: Auf dem Gelände des Pastorats könnte einst eine Burg gestanden haben

Der Bau des Pfarrheims in Bracht und die Umgestaltung des Bischof-Dingelstad-Platzes werden später beginnen als geplant. Die Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt hatte bereits Pläne für den Bau des Pfarrheims zwischen Bischof-Dingelstad-Platz und altem Pastorat ausarbeiten lassen, in dem Zuge will die Gemeinde auch den Platz neu gestalten lassen. Für den Pfarrheim-Neubau muss der Bebauungsplan geändert werden. Als nun der Entwurf für den Bebauungsplan ausgelegt und die Träger öffentlicher Belange um Stellungnahme gebeten wurden, meldete sich das Amt für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland (LVR).

 Wurden im Keller des Pastorats Steine eines Vorgängerbaus verwendet? René Bongartz hält es für möglich.
Wurden im Keller des Pastorats Steine eines Vorgängerbaus verwendet? René Bongartz hält es für möglich. Foto: Busch

Die Denkmalpfleger gehen davon aus, dass sich im Untergrund archäologische Relikte der mittelalterlichen und neuzeitlichen Entwicklung erhalten haben, "die durch ihre stratigraphischen Abfolgen und die darin enthaltenen Funde wertvolle Informationen zur Geschichte des Ortes und der hier lebenden und arbeitenden Menschen tragen", erläutert Claus Weber vom LVR-Amt im Gutachten. "Insbesondere im Umfeld des Pastorates ist von erhaltenen Relikten der Burg und der Burgbefestigung sowie der Burgsiedlung auszugehen", so Weber weiter. "Dazu gehören Fundamente von Vorgängerbebauungen, Gruben, Brunnen, Schichten, Umfassungsgraben, Grabenprofile und Grabenverfüllungen, Brücken und so weiter sowie die darin enthaltenen Funde."

In der Ortsgeschichte, die Ina Germes-Dohmen anlässlich der urkundlichen Ersterwähnung Brachts vor 900 Jahren herausgab, skizziert Margret Wensky die Geschichte des Pastorats. An der Stelle, an der das Pfarrhaus steht, soll sich einst der von Wassergräben umwehrte Sitz der Familie von Grubbenvoorst befunden haben, die das Haus der Kirche schenkte. Das Pfarrhaus wurde nach einem Brand 1753 wieder aufgebaut, umgeben war das Gelände durch einen Graben, den sogenannten Lommert. Diesen Lommert gab es mindestens seit dem 17. Jahrhundert: Den Quellen zufolge ärgerten sich die Brachter Pastöre, dass immer wieder Dorfbewohner ihren Unrat in den Graben warfen.

 Der Bischof-Dingelstad-Platz soll neu gestaltet werden. Zuvor untersuchen Archäologen die Fläche.
Der Bischof-Dingelstad-Platz soll neu gestaltet werden. Zuvor untersuchen Archäologen die Fläche. Foto: Busch

Das LVR-Amt teilte mit, dass die Gemeinde prüfen lassen muss, ob sich etwas im Boden befindet, bevor gebaut wird. Gemeinden seien gesetzlich verpflichtet, die Sicherung der Bodendenkmäler bei der Bauleitplanung zu gewährleisten. Daher sei die Aufklärung des Sachverhalts erforderlich, "zumal gerade in dieser Fläche mit erhaltenswerter archäologischer Substanz zu rechnen ist, die die Bebauungsmöglichkeiten aufgrund denkmalrechtlicher Vorschriften nachträglich einschränken könnte."

Damit es mit der Bauleitplanung und in der Folge mit dem Bau des Pfarrheims und der Gestaltung des Bischof-Dingelstad-Platzes nicht noch länger dauert, beschloss die Burggemeinde, Fachleute zu beauftragen, die den Bereich untersuchen werden. Das LVR-Amt schrieb der Gemeinde, was getan werden muss, die Gemeinde schrieb die Leistungen aus. Drei Büros meldeten sich, einem davon gab der Rat in seiner jüngsten Sitzung nun den Zuschlag. Die Kosten trägt die Gemeinde im Zuge der Bauleitplanung. Unklar ist, wie teuer die archäologische Untersuchung wird: Sind die Fachleute drei Tage unterwegs, kostet das etwa 6000 Euro, arbeiten sie zwei Wochen, könnten es bis zu 18.000 Euro werden, erklärt Bauamtsleiter Dieter Dresen. Bevor die Archäologen mit der Arbeit beginnen können, muss die Obere Denkmalbehörde beim Kreis Viersen eine Grabungserlaubnis erteilen. Grabung und Auswertung werden den Zeitplan für Pfarrheimbau und Gestaltung des Platzes wohl um zwei bis drei Monate zurückwerfen, so Dresen. Doch eine Alternative sehe die Verwaltung nicht.

Gespannt auf die Ergebnisse der Fachleute ist auch René Bongartz. "Ich hoffe, dass wir den Nachweis für die Burg Bracht bekommen", sagt der Brachter. Er beschäftigt sich in der Freizeit mit der Geschichte des Pfarrhauses und des Vorgängerbaus. Er vermutet, dass sich dort einst eine Art Burg, eine Motte, befand, umgeben von einem kreisrunden Graben. Die Eigenkapelle, nah an der Burg gelegen, könnte im Laufe der Zeit immer wieder vergrößert worden sein - bis sie zur Pfarrkirche wurde. Bis die Grabungen beginnen, wird es 2017 werden - erst muss die Grabungserlaubnis her, dann muss der Boden frostfrei sein. Bongartz ist sich sicher, dass die Ergebnisse von großer Bedeutung sein werden: "Es ist geradezu ein Weihnachtsgeschenk zur 900-Jahr-Feier, dass das LVR-Amt gesagt hat: ,Schaut da lieber mal nach.'"

(bigi)