Für Glaube, Sitte, Heimat: Vorster Denkmal am „Schicksalsstrom“

Für Glaube, Sitte, Heimat : Vorster Denkmal am „Schicksalsstrom“

Der Heimatverein Vorst hat ein Denkmal entworfen, das auf dem Eduard-Heinkes-Platz aufgestellt werden und an die Verbundenheit von Vorst mit dem Schützenwesen erinnern soll. Ein Modell des Denkmals steht im Heimathaus.

Gut dreieinhalb Meter hoch soll es werden, das Denkmal, das der Vorstand des Heimatvereins Vorst entworfen hat. Als kleines Modell steht die Stele zurzeit im Schaufenster des Heimathauses an der Kuhstraße 6. Bis Herbst, so der ehrgeizige Plan des Vereins, soll das Original aus nichtrostendem Cortenstahl auf dem Eduard-Heinkes-Platz stehen. Allerdings muss der Heimatverein bis dahin noch Sponsoren finden, denn das Denkmal wird vermutlich 25.000 Euro kosten.

„Vorst hat so wenige Denkmäler“, sagt Heinz-Josef Köhler, Vorsitzender des Heimatvereins, „deshalb haben wir uns zu unserem 40-jährigen Bestehen im vorigen Jahr überlegt, dass wir mit einem Denkmal zur Verschönerung des Ortes beitragen möchten.“ Das Motiv war schnell gefunden: In Vorst gibt es sehr aktive und traditionsreiche Bruderschaften, die seit Jahrzehnten das Dorfleben bereichern. „Das Schützenwesen ist das prägnanteste Brauchtum“, sagt auch Schriftführer Wolfgang Arretz, nicht umsonst heiße der Ort im Volksmund auch „Kermesvorsch“.

Drei Bruderschaften hat Vorst: Die älteste ist St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, die seit 575 Jahren besteht. Aber auch die Bürger Junggesellen (gegründet 1564) und die Kehner Junggesellen von 1652 blicken auf eine lange Geschichte zurück. „Um allen drei Bruderschaften gerecht zu werden, hat die Steele drei Seiten“, erklärt Heinrich Stieger vom Vorstand, der das Modell gebastelt hat. Ganz oben ist umlaufend die Silhouette der Gotthardus-Prozession mit den Schützen zu erkennen, darunter findet sich auf je einer Seite der Wahlspruch der historischen Schützen „Glaube - Sitte – Heimat“.

Das Vorster Wappen, die Pfarrkirche, der Schutzpatrons St. Godehard und die Wappen der Vorster Schützenbruderschaften sind ebenfalls zu sehen. Außerdem sollen ein General zu Ross, eine Kanone und die Parade von Schützen im Stechschritt aus dem Stahl ausgeschnitten werden. „Aus dem Inneren heraus werden die ausgestanzten Symbole beleuchtet und kommen so vortrefflich zur Wirkung“, ist Steiger sicher. Auf einem gemauerten, runden Sockel soll die 3,50 Meter große, schlanke Steele noch besser zur Geltung kommen.

Auch ein Standort ist schon gefunden. „Auf dem Eduard-Heinkes-Platz am Ende der Clevenstraße im Ortskern hat bis Anfang der 60er Jahre ein Kriegerdenkmal gestanden“, erzählt Wolfgang Arretz. Dann sei der Platz für den Verkehr geöffnet worden und das Denkmal musste weichen. Seit geraumer Zeit ist der Eduard-Heinkes-Platz aber wieder verkehrsberuhigt und damit für ein neues Denkmal bestens geeignet. Bürgermeister Thomas Goßen habe bei einem Treffen bereits zugesagt, eine städtische Genehmigung zu befürworten.

„Der Standort ist auch deshalb so gut, weil unter dem Platz der Vorster Schicksalsstrom, die Schleck, verläuft“, weiß Heinz-Josef Köhler. Der Schleckbach galt früher als Grenze zwischen Vorst und Kehn. Kehn war damals noch eine Bauernhonschaft, die zum Vorster Kirchspiel gehörte, Vorst ein eigenständiger Ort. Nicht selten kam es zwischen den Kehner Junggesellen und den Bürger Junggesellen zu blutigen Auseinandersetzungen um die Ehre, die Gotthardus-Prozession anführen zu dürfen. Es war dann aber weniger das Schicksal als vielmehr das  Erzbischöfliche Gericht, das 1763 festlegte, dass die Kehener Junggesellen die Prozession anführen dürfen.

Um das Denkmal zu finanzieren, will der Vorstand des Heimatsvereins jetzt einen Antrag bei der Sparkassenstiftung stellen. Auch an den Heimatfonds des Landes und die NRW-Stiftung wollen die Vorster sich wenden. Der Heimatverein selber will sich ebenfalls an der Finanzierung beteiligen. „Außerdem hoffen wir, dass die Bruderschaften etwas dazugeben und die Vorster Bürger“, sagt Schriftführer Arretz.

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