Handball : Provozierende Wirkung

Knapp 20 Minuten lang machte der TV Neuhausen die einfachen Tore, während der Bergische HC um jeden Treffer hart kämpfen musste. Dann rückte der Tabellenführer die Verhältnisse zurecht und gewann gegen den starken Aufsteiger am Ende standesgemäß mit 39:30.

Den Kempa-Trick bei einem Titelanwärter zu probieren, war rotzfrech. Ralf Bader lupfte den Ball von Rechtsaußen mit viel Gefühl in den Wurfkreis, mit dem richtigen Timing war Alexander Trost zur Stelle. Das 12:15 (24.) war exemplarisch für den Auftritt des Aufsteigers, der sogar die knapp 1100 Anhänger des Bergischen HC begeisterte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der TV Neuhausen die Tore auf die einfachste Art aus dem Rückraum oder im Eins-gegen-Eins erzielen können. Zu passiv hatte die Abwehr des Tabellenführers der 2. Handball-Bundesliga gestanden.

Auf der Gegenseite hatten es die favorisierten Löwen anfangs weitaus schwerer, sich gegen die offensive Deckung der Schwaben ihre freien Würfe zu erarbeiten. Irgendwie lagen sie trotzdem von Beginn an knapp in Führung, weil Einzelaktionen oder Siebenmeter irgendwie dann doch zum Torerfolg führten. Sebastian Hinzes Treffer vom Kreis zum 14:11 war der erste wirklich schön herausgespielte.

Trosts Kempa-Tor hatte provozierende Wirkung. Bereits im folgenden Angriff – Jiri Vitek hatte aus dem Rückraum das 15:12 (24.) erzielt – packten die Gastgeber so zu, wie man es von ihnen in den beiden vergangenen Wochen gewohnt war. Nach einem Neuhausener Fehlpass ins Aus brachte Mario Huhnstock den Ball schnell wieder ins Spiel, zwei Pässe, ein wuchtiger Wurf aus vollem Lauf von Jiri Vitek, da musste TVN-Schlussmann Michael Schröter zum 17. Mal hinter sich greifen. Für diese handballerische Klasse spendete sogar Gäste-Coach Markus Gaugisch an der Seitenlinie respektvollen Applaus.

Kompromisslose Norweger

Die Begegnung blieb bis zum Ende unterhaltsam, obwohl Kenneth Klev (2) und Tim Henkel mit ihren drei Schnellangriffstoren in Serie zum 26:19 (36.) für die Entscheidung gesorgt hatten. Kristoffer Moen oder sein norwegischer Landsmann gingen nun in der Defensive körperlich so kompromisslos zu Werke, dass die Youngster aus der Göppinger Handballakademie ihre einfachen Tore der ersten Halbzeit nicht mehr wiederholten. Von den 14 Treffern aus Halbzeit zwei ließen die Löwen nur noch einen aus dem Rückraum zu (Fabian Gutbrod), die anderen fielen per Siebenmeter, im Nachwurf, auch nach Tempogegenstößen, als sich die Bergischen ausnahmsweise mal einen Fehlwurf leisteten.

In den acht Schlussminuten waren die Mühen der Anfangsphase vergessen. Christian Hoße traf von Linksaußen aus unmöglichem Winkel (35:27). Sebastian Aschenbroich, für den entkräfteten zehnfachen Torschütze Jiri Vitek gekommen, zauberte zwei Mal in Folge mit Hennig Quade am Kreis (36:28 / 38:28). Der Höhepunkt aber war Mathias Fuchs' Anspiel quer durch den Kreis auf Joey Duin. Als "Fliegender Holländer" vollendete dieser zur ersten Zehn-Tore-Führung (38:28). Den Kempa-Trick in diesem Moment zu probieren, war ein Produkt der konditionellen Überlegenheit.

(RP)