Boxen : "Jetzt erst recht"

Interview Profiboxerin Magdalena Dahlen will es nach ihren beiden verlorenen Weltmeisterschaftskämpfen noch einmal wissen. Die Solingerin bereitet sich in Krefeld bei Manni Faber auf einen Titelkampf vor.

Zwei Mal hatte Magdalena Dahlen ihr großes Ziel bereits vor Augen: Einen Titel wollte die 24-Jährige im Box-Ring erobern. Und zwei Mal wäre es die Weltmeisterschaft gewesen. Dazu war sie aus Krefeld zum Hamburger Box-Stall Universum gewechselt. Doch in beiden WM-Kämpfen unterlag die Profiboxerin aus Solingen, beide Male gegen Alesia Graf – das Ende bei Universum. Das war im März. Danach tauchte sie unter. Jetzt will sie es noch mal wissen, kam zurück nach Krefeld, zurück zu Trainer Manni Faber. Mit ihm bereitet sie sich in Krefeld auf einen Titelkampf um die Deutsche oder die Europameisterschaft im November vor.

Nach dem vergeblichen Anlauf bei Universum sind Sie jetzt wieder in Krefeld gelandet. Warum?

Dahlen Ich liebe es zu boxen, kann davon nicht loskommen. Und ich will mir den Traum vom Titel erfüllen.

Warum lief es bei Universum nicht ?

Dahlen Ich hatte zwei Titelkämpfe um die Weltmeisterschaft. Die habe ich beide verloren. Vor dem zweiten gegen Alesia Graf war klar, dass ich bei einer Niederlage gehen muss. Das ist leider so eingetreten. Aber die Zeit zwischen den beiden Kämpfen war einfach viel zu kurz. Ich hätte mir nach der ersten Niederlage einen Aufbaukampf gewünscht, den ich aber nicht bekommen habe. Hätte ich nicht gekämpft, wäre ich sofort gefeuert worden. So war im zweiten Kampf die Niederlage noch immer irgendwo im Hinterkopf. Und was das Boxen angeht, habe ich mich einfach nicht weiterentwickelt.

Danach haben Sie sich sehr zurückgezogen . . .

Dahlen Ja, ich bin zurück aus Hamburg wieder zu meinen Eltern nach Solingen gezogen. Ich brauchte auch die Pause, einfach, um wieder klar im Kopf zu werden und viel nachzudenken, auch über meine Zukunft. Für Universum (einer der größten Boxveranstalter in Europa, die Red.) habe ich damals mein Studium geschmissen, mich voll auf das Boxen konzentriert. Aber das ist nicht alles, ich möchte auch etwas für die Zeit danach haben, also für meine Zukunft. Jetzt habe ich mich bei der Stadt Krefeld beworben. Wenn es klappt, möchte ich im Oktober 2010 zur Polizei.

Wie groß ist momentan die Enttäuschung?

Dahlen Momentan überwiegt mehr das "Jetzt erst recht"-Gefühl als die Enttäuschung.

Bereuen Sie den Wechsel ?

Dahlen Ich würde heute nicht mehr zu Universum gehen, aber bereut habe ich es nicht. Und was Management und Promotion angeht, ist Universum natürlich nicht schlecht. Aber sonst ist eben nicht alles Gold, was glänzt.

Das heißt?

Dahlen Naja, bei Universum zu boxen ist der Traum eines jeden Boxers. Mit dem Vertrag ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Aber im Training ist mir meine Aggressivität verloren gegangen. Das wollte ich aber lange Zeit nicht wahrhaben. Man denkt ja, Mensch, Universum wird schon wissen, was richtig ist. Aber jeder Boxer ist eben anders, und die Individualität ist auf der Strecke geblieben.

Was nehmen Sie an positiven Erinnerungen aus der Zeit mit?

Dahlen Es war eine schöne, aber nicht immer einfache Zeit. Ich war ganz allein in Hamburg, vor allem an den Abenden. Aber ich habe viele interessante Leute kennen gelernt, habe mit den Weltmeisterinnen Ina Menzer und Suzi Kenthikian trainiert. Und ich bin die erste Frau, mit der Fritz Sdunek (trainiert unter anderem die Klitschko-Brüder, die Red.) an die Pratze gegangen ist.

Warum sind Sie jetzt wieder nach Krefeld zurückgekehrt?

Dahlen Mein Coach Manni Faber kennt mich in- und auswendig. Er weiß um meine Stärken und Schwächen. Und ich möchte auch nirgendwo anders hin als nach Krefeld. Darum nehmen ich auch die täglichen Fahrten von Solingen und wieder zurück in Kauf, weil ich hier die beste Vorbereitung genieße.

Wann ist Ihr nächster Kampf?

Dahlen Mitte November in Aachen. Dann geht es entweder um die Deutsche oder die Europameisterschaft, das steht aber noch nicht genau fest.

Oliver Schaulandt führte das Gespräch

(RP)