Solingen: Neuheiten — auch vor Gericht

Solingen: Neuheiten — auch vor Gericht

Item Industrietechnik veranstaltete gestern einen Tag der offenen Tür für die Kunden. Gleichzeitig klagte eine langjährige Mitarbeiterin des Unternehmens vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung.

Das Buffet ist reichhaltig und lässt keine Wünsche offen. Rund 200 Kunden der item Industrietechnik und Maschinenbau GmbH griffen gestern Mittag im Betriebsgebäude an der Uhlandstraße beherzt zu. "Heiße Neuheiten — eiskalt serviert", so lautete das Motto der Hausmesse des Unternehmens, das 1974 von Gerrit Pies und Wolfgang Rixen gegründet worden war. Feuerschlucker und Cocktailbar — für die Kundenbindung hatte das Solinger Unternehmen, das in Deutschland rund 330 Mitarbeiter beschäftigt, davon gut 100 in Solingen, einiges auf die Beine gestellt.

Zu den Kunden gehören laut Personalchefin Susan Brundiers Maschinenbaubetriebe, Automobilhersteller, überdies Autozulieferer. "Aber auch kleine Handwerksbetriebe zählen zu unseren Kunden", erzählt Brundiers. Die könnten aus dem umfangreichen item-Sortiment beispielsweise ihre Arbeitstische bauen. Mit Maschinenbaukastensystemen, basierend auf Aluminium-Profilen — damit hat sich item einen Namen gemacht. "Fischer-Technik für Große" nennen das einige, andere "Ikea für Fortgeschrittene".

Gegen Kündigung geklagt

So umriss es gestern jedenfalls der Direktor des Arbeitsgerichtes, Thomas Maercks, als er sich ein Bild von den item-Produkten machte. Maercks hatte im schlichten Sitzungssaal — ohne Cocktailbar und Feuerschlucker — über eine Klage einer item-Beschäftigten zu urteilen, die Anfang Dezember vergangenen Jahres die Kündigung bekommen hatte und damit nicht einverstanden war. Ende dieses Monats läuft ihr Arbeitsvertrag nach der Kündigungsfrist aus. Zwölf Jahre hatte die 50-Jährige für das Solinger Unternehmen gearbeitet; ihr Aufgabengebiet soll laut item von einer externen Firma übernommen worden sein — was die Mitarbeiterin bestreitet. "Wir mussten acht bis zehn Beschäftigten deutschlandweit kündigen", meint Susan Brundiers mit Blick auf die Wirtschaftskrise und Umsatzrückgängen von 35 Prozent. Für Arbeitsrichter Thomas Maercks stellte sich aber auch die Frage nach der Sozialauswahl: "Einige Mitarbeiter sind bedeutend weniger schutzwürdig." 20 000 Euro Abfindung ist für item jedenfalls die Höchstgrenze einer Abfindung, die "Schmerzgrenze" der 50-Jährigen liegt bei 50 000 Euro. "Ich habe bislang 40 Bewerbungen geschrieben und keine neue Stelle bekommen. Ich möchte meinen Arbeitsplatz bei item behalten", sagt sie, zumal sich die Auftragslage auch gebessert habe. Eine Einigung konnte gestern vor dem Arbeitsgericht indes nicht erzielt werden.

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Grundstück im Piepersberg

Immerhin "vorsichtig optimistisch" ist Personalchefin Susan Brundiers, was die Geschäftsentwicklung von item betrifft. 2009 sei das Unternehmen aber zurückgeworfen worden. Von daher würden auch die Planungen für den Piepersberg — dort hatte item im Januar 2009 ein 52 000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, überdies eine Option auf weitere 11 200 Quadratmeter — erst jetzt langsam in Angriff genommen: "Das ist aber abhängig von der Geschäftsentwicklung", meint Brundiers.

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(RP)
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