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Solingen: Für frischen Wind gesorgt

Solingen : Für frischen Wind gesorgt

Gerd Breidenbach wechselt zum 1. September nach Köln. "Wir müssen mehr Mut zum Experiment haben", sagte der katholische Pfarrer beim Solinger Amtsantritt vor neun Jahren.

Die neue Stelle in Köln kam für ihn selbst überraschend. Eigentlich wollte Pfarrer Gerd Breidenbach noch einige Jahre in den vier katholischen Gemeinden St. Clemens, St. Engelbert, St. Michael und Mariä Himmelfahrt wirken. Den Wechsel nach zwölf, spätestens 14 Jahren in Solingen hatte sich der 48-Jährige in seiner Lebensplanung jedoch fest vorgenommen. Es sei nicht sinnvoll 30 Jahre an einem Ort zu bleiben, das sei für die Gemeinde nicht gut. "Man wird alt mit der Gemeinde", und es würde sich wenig Veränderung ergeben. Leicht falle ihm der Wechsel nicht, doch Neues sei auch immer eine Chance.

Diese Chance eröffnet sich jetzt vorzeitiger. Der Leitende Pfarrer im katholischen Pfarrverband Mitte-Nord (MiNor) wechselt zum 1. September in dieses Amt in den Pfarrverband "Am Heumarer Dreieck" in der Domstadt. Das Bistum habe große Schwierigkeiten, die offenen Stellen der Leitenden Pfarrer zu besetzen, erklärt er.

Lehrer und Squash-Spieler

Der katholische Pfarrer, der in der Freizeit Squash spielt und das erste Staatsexamen für Französisch und Religion besitzt, weil er früher einmal Lehrer werden wollte, steht für frischen Wind in der Kirche. "Wir müssen mehr Mut zum Experiment haben", hat er vor neun Jahren bei seinem Amtsantritt in Solingen erklärt. Seit dem hat er sich viel Ansehen erworben. Sein Abschied wird in den Gemeinden mit einem großen Bedauern aufgenommen. Dabei spricht Breidenbach von einem gewissen bergischen Dickkopf, den er aus seiner Geburtsstadt Lindlar mitgebracht habe.

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Sehr viel ist möglich, auch im vorauseilenden Gehorsam – das ist sein Credo. "Veränderungen müssen auch an der Basis in den Gemeinden wachsen." Breidenbach teilt Verantwortung und lädt ausdrücklich zur Mitarbeit ein. Jeder könne und solle sich mit seinen Geistesgaben einbringen. "Toll, dass es so viele gibt, die die Ärmel hochkrempeln und mit anpacken." All das Erreichte hätte er alleine aber nicht umsetzen können. Symbolkraft hat für ihn der jährliche Tag der Ehrenamtlichen mit gut 300 Leuten, die stets daran teilnehmen.

Wichtig ist ihm, dass sich die Menschen mit dem Pfarrverband identifizieren können, dass er nicht nur als Konstrukt auf dem Papier bestehe. "In den neun Jahren ist viel Vertrauen zwischen den Gemeinden gewachsen." Auch die Ökumene ist eines seiner Herzensanliegen. "Gottesdienste sind keine Museums-Veranstaltungen", sie müssten lebendig sein, sagt der 48-Jährige. Ein Beispiel ist für ihn auch die beachtliche Messdienerarbeit in Gräfrath mit einer motivierten Truppe. "Dort haben wir um die 100 Messdiener." Schön sei es, sonntags mit so vielen in die Kirche einzuziehen. "So viele Messdiener hat der Kardinal im Dom nicht."

Noch aber hat Gerd Breidenbach die Koffer längst nicht gepackt. Der ganz normale pastorale Alltag gehe weiter, unterstreicht er und sieht sich bis zum 1. September im Solinger Pfarrverband fest verankert.

(RP)