Solingen: Evangelische Pfarrstellen halbieren sich bis 2030

Solingen : Evangelische Pfarrstellen halbieren sich bis 2030

Zunehmende Personal- und Gebäudekosten werden in den Gemeinden Einsparungen nötig machen.

Eine frohe Botschaft brachten die Solinger Abgesandten von der Landessynode in Bad Neuenahr mit: Der Sparbeschluss, mit dem die Rheinische Landeskirche dem Defizit der vergangenen Jahre begegnen will, wirkt sich zunächst nicht auf Einrichtungen in der Klingenstadt aus. Das Angebot der Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof bleibt in vollem Umfang erhalten. Grund zur Euphorie sehen Superintendentin Dr. Ilka Werner und Dr. Horst Butz, der in der Landeskirche den Finanzausschuss leitet, dennoch nicht. Denn neben den Kosten für das derzeitige Personal steigen auch die Ausgaben für die Alterssicherung ehemaliger Beschäftigter in Diensten der evangelischen Kirche. Weil der Kirchensteueranteil an den Versorgungsleistungen nach dem Beschluss der Synodalen leicht steigt, verringert sich der finanzielle Spielraum der Gemeinden für andere Bereiche.

Auch der Anstieg der Einnahmen aus der Kirchensteuer kann diesen Engpass nicht auffangen. "Trotz dieses vermehrten Aufkommens ist unsere Finanzkraft gesunken", sagt Pressepfarrer Thomas Förster. Dieser negative Trend wird sich nach Einschätzung der Kirche verstärken. Denn in den nächsten Jahren gehen einige geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand. An ihre Stelle tritt eine immer größere Zahl an Steuerzahlern ohne kirchliche Bindung. "Unsere Aufgabe für die Zukunft wird es sein, mit weniger Trägerschaften und weniger Häusern effiziente Arbeit zu machen", betont Ilka Werner.

Das gilt wohl auch für die Pfarrstellen. In den nächsten 15 Jahren werde es nur noch halb so viele Pfarrer in Solingen geben, prognostiziert die leitende Geistliche des Kirchenkreises. Das liege nicht nur an der Finanznot, sondern schlicht an fehlendem Nachwuchs. "Es gab Zeiten, da hatten wir ein Überangebot, das hat sich umgekehrt", sagt Werner, die junge Menschen zum Theologiestudium ermutigen will.

Bei allen Diskussionen ums Geld dürften jedoch Kernbereiche der Kirche niemals in Mitleidenschaft gezogen werden, bekräftigt Werner und verweist dabei auch auf das gesellschaftliche Engagement. Eine zusätzliche Million Euro stellt die Landeskirche nach dem Beschluss der Synode insgesamt für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung. "Das gibt uns auch in Solingen die Möglichkeit, uns noch stärker einzusetzen", freut sich Werner und betont: "Dieses Thema wird uns noch länger begleiten."

(RP)
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