Solingen: Mit der Kamera durchs Schlossgemäuer

Solingen : Mit der Kamera durchs Schlossgemäuer

Der Fotograf Thomas E. Wunsch verwirklichte seinen Traum: einen Bildband über Schloss Burg.

Jeder kennt Schloss Burg an der Wupper schon aus Kindertagen. Ein Besuch in der historischen Burganlage gehört seit Jahrzehnten zum Pflichtprogramm vieler Grundschulen. Für Gruppenfotos versammelten sich die Klassen am Fuße des Reiterstandbilds von Graf Engelbert II. von Berg und beim Aufstieg zum Bergfried konnte man sich lebhaft vorstellen, wie sich einst die Burgherren samt Ritterschaft dem Feind entgegenstemmten. Auch Fotograf Thomas E. Wunsch hat solche Erinnerungen, die sich allerdings bei weitem nicht nur auf Schulausflüge beziehen.

"Schon als Kind war ich fasziniert von der Burg und bin mit dem Fahrrad an jedem Wochenende entweder dort hin oder zum Heimatmuseum nach Hasten gefahren", erzählt der 1968 geborene Remscheider im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Idee, aus seiner Leidenschaft für das geschichtsträchtige Gemäuer ein Buch zu machen, reifte schon vor zehn Jahren. Im Bergischen Verlag hat er den Partner gefunden, der das Projekt umsetzen wollte. Das gerade erschienene Buch "Mythos Schloss Burg" ist ein Bildband, der die mittelalterliche Ritterburg in vielen Facetten zeigt.

Dabei stößt der Leser auf Ansichten, die bislang kaum bekannt sind oder in bisherigen Veröffentlichungen keine Rolle gespielt haben. Begleitet wird der Leser von der fiktiven Figur des Pilgermönchs Ignatius, der die Geschichten der Burg und ihrer Bewohner erzählt.

Fast wie die Kulisse zu einem Harry Potter-Film: Mystisch wirkt das Gemäuer von Schloss Burg, wenn Nebelschwaden aufsteigen. Fotograf Thomas E. Wunsch entdeckte mit seiner Kamera auch so manche unbekannte Winkel der Burg. Foto: Thomas Wunsch

Anhand von Wandgemälden, Standfiguren oder Grabplatten, wie sie etwa im Altenberger Dom zu finden sind, unternimmt Wunsch mit der Kamera eine Zeitreise, die von den Anfängen derer Grafen von Berg über den Bau der Burg, ihre Zerstörung nach dem 30-jährigen Krieg und den Wiederaufbau am Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart reicht. Da gibt es auch eine Betrachtung der vielen Veranstaltungen, mit denen man heute die wechselvolle Geschichte lebendig hält.

Aus seiner Zeit als Burgfotograf im Auftrag der Geschäftsführung des Schlossbauvereins hat Thomas E. Wunsch unzählige Aufnahmen gemacht, die im Buch Verwendung gefunden haben. "Natürlich war der Fundus groß. Dennoch habe ich viele Motive neu fotografiert", erzählt er. Ergänzt werden die Burg-Ansichten durch nachgestellte Szenen, wie etwa von zwei Frauen in mittelalterlicher Kleidung in der Kemenate, von Ritterkämpfen im Zusammenhang mit der Schlacht von Worringen oder von der Verfolgung Engelberts II, der auf einer Reise nach Schwelm am 7. November 1225 überfallen und ermordet wurde. Interessant für Erwachsene und Kinder ist das Kapitel vom Burgenbau oder dem Alltag auf der Burg.

( Thomas E. Wunsch war schon als Kind oft auf Schloss Burg. Foto: Thomas Wunsch

Gibt es ein Motiv, das dem Fotografen und Burg-Kenner besonders gut gefällt? "Die Anlage hat so viele schöne Ecken. Ihre Wirkung zeigt sie eigentlich immer, egal, aus welcher Richtung man auf sie schaut." Die Menschen in der Region müssten sich eigentlich mit diesem Wahrzeichen des Bergischen Landes viel mehr identifizieren, findet er.

"Engelbert II. war der mächtigste Mann nördlich der Alpen", hebt er die historische Bedeutung der Burgherren von einst hervor. Und immerhin sei Anna von Kleve, die vierte Frau des englischen Königs Heinrich VIII., auf der Burg aufgewachsen. Fachkundige Hilfe bei der Konzeption des Buches erhielt er durch die Solinger Kunsthistorikerin Julia Krumpen und die Remscheider Historikerin Claudia Holtschneider. Auch diese Zusammenarbeit macht die Sache rund und ermöglicht dem Leser ein spannendes, farbenreiches und historisch fundiertes Eintauchen in einen wesentlichen Teil der bergischen Geschichte.

(RP)
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