Solingen: Ernst Schneider - der Mann für alle Fälle

Solingen : Ernst Schneider - der Mann für alle Fälle

Mehr als 150 Gäste aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft kamen gestern zur Verabschiedung des Neu-Pensionärs.

Die Schlange der Menschen, die Ernst Schneider persönlich begrüßen, ein paar Worte mit ihm wechseln, ihm gute Wünsche mit auf den Weg geben wollten, wollte nicht abreißen: Mehr als 150 Gäste kamen gestern zur Verabschiedung Schneiders in den Meistermann-Saal des Kunstmuseums - Wegbegleiter aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft, von Verbänden und Institutionen. Nach exakt 18 Jahren bei der Stadt war Schneider im Dezember in den Ruhestand gegangen. Zum offiziellen Abschied erhielt er nun gleich zwei ganz besondere Geschenke: Ein Trikot von Fortuna Düsseldorf mit seinem Namen, der Nummer 65 und den Unterschriften der Verwaltungsspitze sowie ein Pedelec, ein Herzenswunsch Schneiders, für das in einer großen Aktion bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung gesammelt wurde.

Schneider, sagte Oberbürgermeister Norbert Feith in einer sehr persönlichen Rede, sei ein Mann für alle Fälle gewesen. Ein Mann der Innovation und des Strukturwandels. Ein Mann mit Mut zu Neuem, mit vielen Aufgaben, vielen Funktionen, vielen Rollen. 1997 kam der studierte Betriebswirt und Verwaltungsjurist nach Solingen, zunächst als Beigeordneter für das kaufmännische Ressort, Kämmerer und Stadtdirektor. "Sein Antritt war mit der Erwartungshaltung verbunden, dass er die erstarrte Verwaltungswelt der Kämmerei in eine neue Welt des wirtschaftlichen Denkens überführt. Solche Revolutionen bringen Phasen des kreativ-chaotischen mit sich und verlangen Nervenstärke. Die Kommune in Richtung Wirtschaftlichkeit zu lenken, war dabei die vollkommen richtige Entscheidung", so Feith. Auch ein weiteres Denken sei bei Schneiders Amtsantritt noch nicht verbreitet gewesen: "Vom Konzern Stadt zu sprechen und dies auch umzusetzen, auch dies gehörte zu seinen Aufgaben."

Eine Aufgabe, die für den 65-Jährigen zur Lebensaufgabe geworden sei. Seit 2001 war er Geschäftsführer der städtischen Holdinggesellschaft BGS, seit 2008 in hauptamtlicher Funktion. Meilensteine seiner Tätigkeit waren unter anderem der Teilverkauf der Stadtwerke 2001 und das Kunstrasenprogramm ab 2002, "wodurch der Solinger Fußball einen bedeutenden Zulauf verzeichnen konnte", so Feith. Dabei habe Schneider mehrfach öffentlich politischen Durck erfahren. "Mehr als einmal wurde sehr rüde mit Dir umgegangen", sprach der Oberbürgermeister Schneider direkt an. "Das hattest und das hast Du nicht verdient."

Ernst Schneider selbst war überwältigt von der Resonanz - und wollte sich vor allem bei all jenen bedanken, die in den vergangenen Jahren an seiner Seite waren. "Man macht all das ja nicht alleine", betonte er. Der Abschied, der ihm zunächst schwer gefallen sei, werde durch die große Anteilnahme erleichtert. Und langsam, so Schneider, freue er sich nun, nur noch nach Solingen zu fahren, wenn er hier private Termine zu erledigen habe. Sein Büro hat er in den vergangenen Wochen aufgeräumt, "auch das ist ein weiterer Punkt, der den Abschied leichter macht."

Jetzt beginnt für den vierfachen Vater und fünffachen Großvater ein neuer Lebensabschnitt, mehr Sport möchte er künftig treiben, ein paar Pfunde abnehmen. "Auf Matrosen ohé, einmal muss es vorbei sein" sang das Trio Swing-Vergnügen der Bobcats, das die Veranstaltung musikalisch begleitete, als letztes Stück zu Ehren von Ernst Schneider - und fast alle Gäste sangen mit.

(RP)
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