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Solingen: "Das Haus hat gewackelt"

Solingen : "Das Haus hat gewackelt"

Wie bei einem kleinen Erdbeben hat es sich gestern in einem Haus an der Florastraße angefühlt, als 50 Zentimeter neben der Hauswand für den Neubau des zentralen Finanzamtes der alte Beton abgemeißelt wurde.

Die Baugrube fürs neue zentrale Finanzamt zwischen Flora- und Wupperstraße in der City hat mittlerweile gewaltige Dimensionen angenommen. Doch was der Abriss des Hochhauses der alten Polizeihauptstelle und des Finanzamt-Nebengebäudes für die Nachbarn bedeutet, steht auf einem ganz anderen Blatt. Lärm, Schutt, Staub, Arbeiten von frühmorgens bis spätabends und mitunter sogar am Wochenende – all das mussten sie in den zurückliegenden Monaten ertragen.

"Heute war es besonders schlimm. Die Wände haben gewackelt. Ich dachte, das Haus bricht zusammen", erzählt ein Nachbar an der Florastraße gestern unserer Zeitung. Seit Jahrzehnten wohnt er hier. Aber so etwas hat er noch nicht erlebt.

Das Mehrfamilienhaus grenzt unmittelbar an die Großbaustelle. Per Pressluftmeißel hat ein Bagger am Morgen Teile der früheren Parkdeckauffahrt der Polizei und der Begrenzungsmauer zu dem Nachbargrundstück an der Florastraße weggestemmt. "Die haben mit ihrem großen Meißel 50 Zentimeter neben der Hauswand gearbeitet", schildert der Anwohner. Das bleibt nicht ohne Folgen. In seiner Wohnung rutschten Fotos im Bilderrahmen nach unten. Gläser wackelten im Schrank. Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass er sich wegen der Arbeiten wie bei einem leichten Erdbeben gefühlt hat.

Schäden am Haus dürften nicht auszuschließen sein.

Martin Krause erwartet diese allerdings nicht. Sollten dennoch Schäden an Nachbargebäuden auftauchen, "werden wir sie regulieren", berichtet der Projektleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB) des Landes NRW unserer Zeitung. Der BLB ist Bauherr der Großbaustelle.

Nach Krauses Worten ist man sich sehr wohl bewusst über die große Belastung der Anwohner durch die Arbeiten. Man habe Nachbarn angeschrieben und um Verständnis gebeten. Zur jenen an der Florastraße gibt es eine gemeinsame Grundstückmauer. Diese muss im oberen Bereich abgetragen werden. Um die Belastung möglichst gering zu halten, würden Betonstücke herausgesägt, erklärt Krause. Mitunter lasse es sich aber nicht vermeiden, dass gestemmt werden muss – so wie gestern mit dem Pressluftmeißel.

In dieser Woche sollen die Arbeiten nach Darstellung des Projektleiters abgeschlossen sein. Dann sei das Gröbste überstanden, berichtet Krause auf Anfrage. Auf weitere Unannehmlichkeiten müssen sich Anwohner aber dennoch einstellen. Denn anschließend muss der Boden der Baugrube für die neuen Fundamente des zentralen Finanzamtes noch verdichtet werden. Dass soll in der Zeit zwischen dem 3. und 18. August passieren. Dann soll mit dem Hochbau begonnen werden.

Seit Anfang des Jahres laufen die Abbruch- und Herrichtungsarbeiten für den Neubau. Neben dem Ärger für die Anwohner gab's auch manch unliebsame Überraschung. Zuerst knallte eine Dachkante des alten Finanzamtsgebäudes auf die Goerdelerstraße, später wurden alte Fundamente gefunden, die in keinem Lageplan verzeichnet waren und die Arbeiten auf der Großbaustelle um sechs Wochen verzögerten.

All dies könnte ein Vorgeschmack sein für die nächste Großbaustelle in der City: der Abriss des alten Karstadtkomplexes.

www.rp-online.de/solingen

(RP)