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Solingen: Nachwuchsprobleme im Gastgewerbe

Solingen : Nachwuchsprobleme im Gastgewerbe

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) befürchtet einen massiven Personal-Engpass in Restaurants, Hotels und Bäckereien in Solingen und der bergischen Region, weil es immer schwieriger werde, Jugendliche für diese Berufe zu begeistern. Der Geschäftsführer der NGG-Region Düsseldorf-Wuppertal, Dieter Schormann, nennt den Grund: "Die Ausbildungsplätze im Gastgewerbe und in Bäckereien sind für viele Bewerber zu unattraktiv. Fehlende Perspektiven, geringe Bezahlung und überlange Arbeitszeiten schrecken Jugendliche ab."

Allein in Solingen sieht Schormann derzeit sechs offene Lehrstellen für Köche, in der Gastronomie seien es 14. "Gerade die Hotel- und Gaststätten-Branche war mit die erste, die Schwierigkeiten hatte, Ausbildungsstellen zu besetzen", sagt Carmen Bartl-Zorn, bei der Industrie- und Handelskammer zuständig für den Bereich Aus- und Weiterbildung. Noch vor einigen Jahren sei das anders gewesen. "Da hatte diese Branche durch die vielen Kochsendungen im Fernsehen einen richtigen Boom. Die gibt es zwar heute immer noch, sie liegen aber nicht mehr so im Trend wie vor Jahren", meint Bartl-Zorn.

Starker Wettbewerb

Nachdem sich der Ausbildungsmarkt wieder entspannt habe und auch andere attraktive Berufe zur Verfügung stehen, sei der Wettbewerb um den Berufsnachwuchs größer geworden. "Wir haben im Städtedreieck insgesamt noch über 1200 unbesetzte Lehrstellen. Gleichzeitig aber auch 2500 unversorgte Jugendliche", weiß Bartl-Zorn. Dennoch passe aber nicht auf jeden Topf ein Deckel. "Die Jugendlichen sollten eine Berufsperspektive im Hotel- und Gaststättengewerbe nicht außer Acht lassen", appelliert die IHK-Geschäftsführerin.

Ebenso wie Roland Westphal, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, weiß sie aber, dass gerade die ungünstigen Arbeitszeiten, zum Teil auch die Arbeitsbedingungen, die Jugendlichen abschrecken. "Das gilt auch für Bäcker und Fleischer", ergänzt Westphal.

Von daher ist Handeln angesagt, meint Gewerkschafter Dieter Schormann: Gastgewerbe und Bäcker-Handwerk müssten stärker und offensiver um Nachwuchs werben – mit Lehrstellen, die Jugendlichen attraktive Arbeitsbedingungen böten. "Letztendlich haben es die Chefs selbst in der Hand, ob in den Restaurants künftig nur noch auf Sparflamme gekocht werden kann", so Schormann.

(RP)