Alpen: Musikalisch in die neue Heimat

Alpen: Musikalisch in die neue Heimat

Der Workshop mit Judy Bailey war mit 230 Teilnehmern ein voller Erfolg.

"Wir bieten ja öfter mal Workshops an, aber diese Größenordnung ist auch für uns völlig neu", sagt Judy Bailey. Geplant waren 200 Teilnehmer, am Ende machen 230 begeisterte Sänger und Musiker das Projekt "Home Alpenmusik" zu einem riesigen Happening.

"Das hat irgendwann eine wahnsinnige Dynamik bekommen. Zum Schluss mussten wir noch einigen Chören absagen, die gerne dabei gewesen", sagt auch Malte Kolodzy. Der musikalische Leiter vom Musikverein Menzelen hatte mit einem 28-seitigen Förderantrag an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Stein ins Rollen gebracht. Denn die Förderung besteht darin, dass die Kosten für die Aufnahme einer CD übernommen werden. Bedingung: Flüchtlinge müssen aktiv dabei sein. "Kerngedanke des Projektes ist die Integration durch Interaktion. Die Flüchtlinge sind nicht nur dabei, sondern mitten drin.

Neben der Musik helfen auch die vielen persönlichen Kontakte", sagt Patrick Depuhl, Vorsitzender der Alpener Flüchtlingshilfe. Ob der katholische Kirchenchor oder die Band der Evangelischen Kirchengemeinde, Alpener oder Syrer, Jung oder Alt, für alle gilt an diesem Tag: Man trifft sich an der Kaffee- und Kuchentheke, plaudert, lacht oder singt. Dazwischen geht es in die zu Probenräumen umfunktionierten Klassenzimmer oder die Bücherei.

Insgesamt sechs Titel sollen am Wochenende für die CD eingespielt werden, im Juni dürfen Chöre und Musikvereine zusätzlich je zwei Titel nach Wahl beisteuern. "Sie müssen nur thematisch zum Thema Heimat passen", erläutert Depuhl. Coach Leroy Johnson serviert eine Extraportion gute Laune, in dem er eine Teilnehmerin spontan zum Tänzchen auffordert. Danach animiert er die um ihn versammelte Sängerschar, mitzumachen: "Na los, das ist hier keine Pommesbude, sondern eine Muckibude."

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Der Workshop treibt alle an die Belastungsgrenze. Rund zehn Stunden dauern die Proben am Samstag, danach steht noch ein gemeinsames Konzert für die Familienangehörigen in der Aula auf dem Programm. Aber trotz aller Anstrengungen ist den Teilnehmern, der jüngste ist sieben Jahre alt, der älteste 84, die Freude anzusehen.

Für eine kleine Erfrischung zwischendurch sorgt Thomas Ahls. Der Bürgermeister geht in der Pause zu einem benachbarten Supermarkt und kommt mit einem Einkaufswagen voller Eis zurück. Für den kulinarischen Höhepunkt am Freitag haben die Flüchtlinge gesorgt. Sie überraschen die Musiker mit einem Buffet voller Spezialitäten aus zwölf Ländern. Wie sehr die Musik als verbindendes Element den Alltag verdrängen kann, hat Depuhl erlebt: "Ein Teilnehmer kommt aus einer Stadt in Syrien, die gerade von den Türken angegriffen wird. Er kann vor Angst um seine Familie nicht schlafen, dieser Workshop hilft ihm, auf andere Gedanken zu kommen."

Wer wissen möchte, was an diesem Wochenende entstanden ist, sollte sich den 17. November vormerken. Dann spielen alle Workshop-Teilnehmer zum Konzert im Agro Forum der Firma Lemken auf, natürlich mit der CD im Gepäck.

(erko)
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