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Rheinische Landpartie: Mit dem Rad zu drei Oasen der Ruhe

Rheinische Landpartie : Mit dem Rad zu drei Oasen der Ruhe

Mit nur einer Fahrradtour kann man gleich drei Klöster in Dormagen, Grevenbroich und Jüchen besuchen.

Pater Hartmut Straubinger tritt Leuten gerne auf die Füße. Ja, er meint das genauso, wie er es sagt. Und das hat einen guten Grund. In der Basilika des Klosters Knechtsteden am Rand von Dormagen muss man nach oben blicken, um das eigentümliche Verhalten des Paters zu verstehen. Die zwölf Apostel sind dort an die Wand gemalt - und sie treten sich gegenseitig auf die Füße. "Das stellt die Gemeinschaft der Kirche dar", sagt Straubinger und schmunzelt.

Das Fresko in der Basilika, das etwa 1160 entstanden ist, ist neben dem Gnadenbild von Knechtsteden einer der sehenswerten Höhepunkte des Klosters. Auf einer Fahrradtour von Dormagen nach Jüchen ist das Kloster eines von dreien, die man auf dem Weg besuchen kann. Hinzu kommen das Kloster Langwaden in Grevenbroich und das Nikolauskloster in Jüchen. Vom ersten bis zum letzen Kloster fährt man - wenn man die kürzeste Route wählt - gut 20 Kilometer. Hinzu kommt natürlich die eigene An- und Abreise, wenn man sie nicht mit Bus und Bahn macht.

 In der Kirche des Nikolausklosters ist vieles aus Holz: vom Altar über die Bänke bis zu den Engelsfiguren.
In der Kirche des Nikolausklosters ist vieles aus Holz: vom Altar über die Bänke bis zu den Engelsfiguren. Foto: Jana Bauch

Das Kloster Knechtsteden liegt beschaulich am Rande eines kleinen Waldes, etwas abseits von Dormagener Wohngebieten. Man könnte es fast für einen alten Bauernhof halten, denn neben dem heutigen Wohngebäude der Glaubensbrüder der Spiritaner kann man auch noch alte Scheunen und Ställe erkennen. Die werden inzwischen als Veranstaltungssäle genutzt. Ebenfalls noch zu erkennen sind die kleinen Gebäude, in denen ehemals Handwerksbetriebe und Werkstätten untergebracht waren. Heute findet man in der alten Metzgerei eine Bücherstube, in der alten Schneiderei sind Flüchtlinge untergebracht, und in der alten Feuerwache gibt es einen Trödelladen. Sowieso ist auf dem Gelände einiges los, vor allem unter der Woche. Eine Optikerakademie bildet aus, der Klosterladen verkauft neben Kirchenbedarf auch Fairtradeprodukte und Honig aus der Region, eine Schule mit Hunderten Schülern gibt es ebenfalls auf dem Klostergelände.

 Die Basilika des Klosters Knechtsteden ist der Mittelpunkt der Klosteranlage. Drumherum gibt es unter anderem einen Klosterladen und sogar eine Schule.
Die Basilika des Klosters Knechtsteden ist der Mittelpunkt der Klosteranlage. Drumherum gibt es unter anderem einen Klosterladen und sogar eine Schule. Foto: Jana Bauch

Für Pater Straubinger ist das fast nicht genug Trubel. "Die Schüler? Die machen keinen Lärm", sagt er. Vor einem halben Jahr erst ist er nach Knechtsteden zurückgekehrt: Mehr als vier Jahrzehnte war er als Pater in Brasilien aktiv. Den Trubel der Großstädte wie Sao Paulo, Brasilia oder Belo Horizonte vermisst der 73-Jährige hier etwas. Doch er kam gerne zurück an den Ort, an dem er zum Priester geweiht wurde. "Ich habe eine emotionale Beziehung zum Kloster", sagt der Pater über den Ort, an dem heute 23 Glaubensbrüder leben. Ein Großteil von ihnen war im Ausland tätig und verbringt den Lebensabend im Kloster. "Wir sind eine Art Altersheim", sagt Pater Straubinger schmunzelnd. Männer in kirchlicher Kleidung findet man im Kloster Knechtsteden übrigens nicht. Die Brüder laufen in normaler Kleidung über das Gelände, manche tragen allerdings eine rot-orangene Kreuzkette um den Hals.

Von Knechtsteden aus sind es gut zwölf Kilometer bis zum Kloster Langwaden in Grevenbroich. Wer allerdings die kürzeste Route wählt, der fährt nicht nur durch Wald und über Felder, sondern auch einen Teil über viel befahrene Landstraßen. Gerade mit Kindern sollte man die Route gut planen und an den Übergängen über die großen Straßen etwas aufpassen. Im Kloster Langwaden erwartet den Besucher ein Gebäudekomplex aus rotem Backstein - und davor ein schöner Biergarten, in dem es Mittagstisch (bis 15 Uhr) und Abendessen (bis 22 Uhr) sowie Kaffee und Kuchen gibt. Die Zutaten für die Gerichte stammen teilweise aus dem Klostergarten, der biozertifiziert ist. Der Küchenchef hat einen Anbauplan für das ganze Jahr angelegt, um immer einige Zutaten aus dem Klostergarten in seinen Gerichten unterbringen zu können. Eines sollten Bierliebhaber hier auf jeden Fall probieren: das Klosterbräu. Gebraut wird das naturtrübe Landbier zwar nicht im Kloster selbst, doch wurde es von der Bolten-Brauerei aus Korschenbroich extra für das Kloster Langwaden erfunden.

 Das Kloster Langwaden liegt idyllisch am Waldrand. Im Biergarten gibt es unter anderem Klosterbräu.
Das Kloster Langwaden liegt idyllisch am Waldrand. Im Biergarten gibt es unter anderem Klosterbräu. Foto: Jana Bauch

Im Kloster, dessen Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts unter Napoleon abgerissen wurde, leben heute Zisterzienser. Hier hat jeder Mönch seine Aufgabe, einer arbeitet in der Keramikwerkstatt. Seine Arbeiten kann man im Kloster erwerben. Nur ein Teil der Grünflächen und die eher moderne Kapelle sind für Besucher zugänglich. Ein Großteil der Parkanlage, die damals von einem französischen Diplomaten angelegt wurde, der die Gebäude als Schloss nutzte, dienen dem Gemüseanbau und gehören zum Wohnbereich der Mönche.

Nach mindestens acht Kilometern (je nach gewählter Route) erreicht man das ebenfalls aus alten Backsteinen errichtete Nikolauskloster in Jüchen. Kaffee und Kuchen gibt es hier (bis 17 Uhr) auf der großen Terrasse, die auch für ein Picknick genutzt werden kann - ebenso wie der große, gut gepflegte Garten mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten. Hier leben Oblatenmissionare, die viele Veranstaltungen auf dem Gelände - vor allem für Familien - organisieren. Sehenswert ist auch die Klosterkirche mit Deckenmalerei.

 Im weitläufigen Garten des Nikolausklosters gibt es viele Tische und Bänke zum Verweilen.
Im weitläufigen Garten des Nikolausklosters gibt es viele Tische und Bänke zum Verweilen. Foto: Jana Bauch

Übrigens: Wer die Tour von Dormagen aus in Richtung Jüchen fährt, muss mehrmals leicht bergauf radeln - diese Richtung empfiehlt sich also vor allem für Sportler. Wer aus der Tour aber kein Sportevent machen möchte oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte lieber andersherum fahren. Oder lange Pausen machen in den Oasen der Ruhe.

(RP)