Remscheid: Über Mut und Engagement in der Schule

Remscheid: Über Mut und Engagement in der Schule

Im Westdeutschen Tourneetheater (WTT) ist heute die Premiere von "Die weiße Rose lebt" zu sehen. Zwei Schüler treffen sich, um ein Theaterstück zu proben. Sie wollen etwas gegen den spürbaren Rechtsruck an ihrer Schule tun.

REMSCHEID Fast auf den Tag genau am 22. Februar vor 75 Jahren köpfte das NS-Regime die Geschwister Sophie und Hans Scholl. Sie hatten Flugblätter der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" verteilt. Das Theaterstück "Die weiße Rose lebt" im Westdeutschen Tourneetheater (WTT) erinnert daran. Die Premiere findet statt am heutigen Freitag um 20 Uhr in der Bismarckstraße 138 in Remscheid.

In dem Stück des Autors Günther Breden (geboren 1953) - ein Stück im Stück - wird nicht die Geschichte der Geschwister Scholl eins zu eins nacherzählt. Das passiert indirekt. Die Schüler Sophie (Margaux Tiltmann) und Matti (Matthias Knaab) wollen ein Theaterstück proben, das Sophie geschrieben hat. Darin geht es um die letzten Minuten von Sophie und Hans Scholl in der Todeszelle.

Während Sophie - die Figur, die Tiltmann verkörpert - engagiert und voller Leidenschaft an ihr Stück herangeht und noch unter den Mitschülern weitere Mitspieler und Helfer sucht, hat der flapsige Matti eigentlich nur eines im Sinn: Er will die Gelegenheit nutzen, mit Sophie anzubandeln und ihr an die Wäsche zu gehen. Die eigentliche Geschichte interessiert ihn nicht. "Diesen alten Rotz will doch keiner hören", sagt er.

Durch diese gegensätzlichen Motivationen der beiden Figuren kommt Spannung auf die Bühne. Umso mehr, als Sophie ihr Stück bewusst gegen rechtslastige Tendenzen an ihrer Schule geschrieben hat: Anlässlich einer Umbenennung der Schule in "Geschwister-Scholl-Schule" kursieren Flugblätter, die den Namen "Deutschland-Schule" fordern und die die Geschwister Scholl als Kriminelle bezeichnen. Für Brisanz ist also gesorgt. Sophie entdeckt während des Spiels immer wieder Parallelen zur Gegenwart. "Es ist ein aktuelles Stück", sagt Regisseur Björn Lenz. Manche rechtsextreme Zitate der Neuzeit haben Eingang in das Stück gefunden, ohne dass Unterschiede zur Nazi-Zeit sichtbar werden.

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Das Ganze ist ein Klassenzimmerstück, die Handlung spielt in Klassenräumen. Ideal für die Zielgruppe Schulklassen und Jugendgruppen. Viele Requisiten werden nicht benötigt. Das Ensemble plant, "Die weiße Rose lebt" auch direkt in Schulen aufzuführen. "Für Diskussionsstoff nach der Aufführung ist gesorgt", verspricht der Regisseur.

Die beiden Schauspieler scheinen dabei ideal besetzt zu sein. Denn die noch jungen Schauspielabsolventen Margaux Tiltmann und Matthias Knaab aus Köln spielen authentisch mit großem Engagement. Die Jugendsprache ist dem heutigen Zeitgeist angepasst.

"Es ist kein belehrendes Stück", sagt Lenz. Jeder Zuschauer solle anschließend selbst entscheiden, welche Position er zu diesem Thema einnimmt.

(begei)