Remscheid In der Werkzeugbranche ist Musik drin

Werkzeugindustrie : In der Werkzeugbranche ist Musik drin

Morgen hat der Geschäftsführer des Fachverbandes Werkzeugindustrie (FWI) seinen letzten Arbeitstag.

Herr Langelüddecke, gehen Sie gerne in Rente?

Langelüddecke Ja , man lebt ja eigentlich darauf hin. „Gern“ ist ein schillerndes Wort. Natürlich wird mir da zuerst mal etwas fehlen. Der Umgang mit meinen Mitarbeitern. Die vielen sozialen Kontakte. Man hat Struktur in seinem Leben. Als Pendler von Köln bin ich aber erst mal froh, dass ich bis zu zweieinhalb Stunden pro Tag an Zeit gewinne. Das habe ich elf Jahre lang gemacht, nachdem ich nach 17 Jahren in Remscheid nach Köln gezogen bin. Das war mir hier irgendwann zu eng. Ich bin ein Großstadtkind. Ich brauchte mehr Kultur, mehr Angebote.

Was hat Ihnen Spaß gemacht an Ihrem Beruf?

Langelüddecke Die Vielfalt meiner Tätigkeit im Fachverband. Das ist ja ein heterogener Verband. Wir haben nicht nur Werkzeug im klassischen bergischen Sinne, also die geschmiedeten Handwerkzeuge. Wir haben auch Dübelhersteller und Maschinenwerkzeugproduzenten. Als ich hier anfing, hörte ich von einem Geschäftsführer, der von 1945 bis 1968 den Fachverband leitete. Da habe ich gedacht, das machst Du doch nicht so lange.

Jetzt sind es bei Ihnen 28,5 Jahre geworden.

Langelüddecke Das sind über 10.000 Arbeitstage, 1,1 Millionen Kilometer, die ich gefahren bin, fast dieselbe Zahl an Flugkilometern kommt hinzu, über 600 Firmenbesuche. Insgesamt habe ich mit 23 Mitarbeiter zusammen gearbeitet.

Was waren inhaltlich die größten Herausforderungen in dieser Zeit?

Langelüddecke Mit Sicherheit die Modernisierung des Verbandes. In den 70er Jahren hatten wir über 400 Mitglieder. Heute sind es noch 150. Das heißt aber nicht, dass wir ein winziger Verband sind. Das spiegelt den Strukturwandel in den vergangenen 30, 40 Jahren. Die 90er Jahre, in denen ich anfing, waren eine große Zeit des Strukturwandels.

Was bedeutete denn Strukturwandel?

Langelüddecke Das hieß, die moderne Welt stieß auf die alte Welt. Die Generationen der damaligen Zeit waren überkommen. Das muss man so sagen. Und es gab ein großes Thema: als hochpreisiger Hersteller am Markt zu bestehen. Ware aus Taiwan und China drückte im großen Stil in den Markt und machte uns ernsthaft Konkurrenz. Das hat die Sitten hinsichtlich der Qualität ziemlich verdorben. Die Billigmacherei stand im Gegensatz zum Anspruch made in Germany. Alle wissen, dass in „made in Germany“ eine gewisse Leistung steckt. Wir haben es verstanden, diesen Qualitätsanspruch hochzuhalten. Es gibt so etwas wie eine Renaissance des Begriffs „made in Germany“. Wir sind eine bodenständige Industrie, die sicherlich konservativ handelt und denkt. Heute ist das Internet als Bestell- und Verkaufsweg hinzugekommen. Die spezielle Digitalisierung der Firmen ist eine Herausforderung.

Würden Sie einem 30jährige Ingenieur empfehlen, in eine Werkzeugfirma einzusteigen?

Langelüddecke Unbedingt. Die Werkzeugindustrie ist verlässlich, sie ist berechenbar und sie ist unwahrscheinlich innovativ. Der Hammer ist eben nicht nur ein Hammer. Damit können sie tausend Sachen machen. 1992 hatten wir einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Und wir haben heute 4,9 Milliarden. Als Branche sind wir kleiner geworden. Aber die Musik ist geblieben. Unsere Exportquote liegt bei über 75 Prozent. Wir liefern in 212 Länder. In der UNO sind nur 193. Es gab immer Auf- und Abschwünge. Die sind nicht hausgemacht. Im Nachlauf von sechs bis neun Monaten folgen wir in einer Wellenbewegung dem Maschinenbau. Das ist eine alte Erkenntnis. Wir liefern aber nicht nur in den Vertriebsweg Fachhandel. Wir haben die Automobilindustrie, das Baugewerbe und den Maschinenbau. Das sind die drei Großen. Dazu kommen Flugzeug- und Waggonbau, Bergbau, Landwirtschaft, Garten und vieles mehr. Und mir war es immer wichtig, den Austausch zwischen den Firmen zu fördern und Informationen bereitzustellen. Dialoge einführen und Dialoge pflegen - das ist Verbandsarbeit.

Am Freitag haben Sie Ihren letzten Arbeitstag. Haben Sie für Ihr Rentnerleben etwas geplant?

Langelüddecke Ich mache jetzt nicht die große Weltreise. Ich mache etwas für meinen Lionsclub, da gibt es in Mailand ein Treffen. Und danach geht’s nach Stuttgart, dort bin ich ja groß geworden. Da gibt es ein Klassentreffen. Ich habe jetzt mehr Zeit für Kunstausstellungen, Konzerte und Kirchenkonzert. Das gibt es in Köln ja wie Sand am Meer.