Ratingen: Tierheim: Streit geht weiter

Ratingen: Tierheim: Streit geht weiter

Braucht die Stadt ein Tierheim? Und wo gibt es einen geeigneten Platz? Der Vorstoß der Bürger Union, die Tierhilfe Ratingen in dem Projekt zu unterstützen, stößt auf Kritik. Ein Knackpunkt: die möglichen Folgekosten.

Die Tierhilfe Ratingen, ein eingetragener Verein, schlägt Alarm. In einem Konzept, das den Fraktionen jetzt im Rat zur Verfügung gestellt wurde, schildert das Team, wie groß die Not ist. Im Durchschnitt betreut die Tierhilfe pro Jahr rund 180 Tiere – etwa 60 Hunde, 100 Katzen und 20 Kleintiere. Diese Tiere werden bei privaten Pflegestellen untergebracht. Das Problem: Es werden immer mehr Tiere abgegeben – verwilderte Hauskatzen, Hunde, die nicht mehr gehalten werden können und Nager, die verwahrlosen. Kurzum: Eine Tierauffangstation muss her – und zwar schnell. Doch dieser Plan stößt im Rat zurzeit auf wenig Gegenliebe: Angesichts schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und einer möglichen Unterdeckung des städtischen Etats 2011 in Höhe von zehn Millionen Euro präsentieren sich die meisten Fraktionen nicht gerade in Geberlaune.

FDP-Fraktionschefin Hannelore Hanning poltert: "Wir müssen die Folgekosten tragen." Susanne Stocks, die Fraktionschefin der Grünen, betont, dass es aus den Reihen Ratinger Tierärzte nicht unerhebliche Kritik an dem Projekt gebe. Christian Wiglow, Fraktionsvorsitzender der SPD, fühlt sich angesichts gravierender Probleme im sozialen Bereich an Guido Westerwelles Begriff der spätrömischen Dekadenz erinnert. Manfred Evers, Fraktionschef der Ratinger Linken, schlägt vor, den Kreis Mettmann mit ins Projektboot zu nehmen. Ein Plädoyer für ein neues Tierheim in Ratingen sieht anders aus.

CDU: Noch kein Startschuss

Mit 31 Ja- zu 23 Nein-Stimmen drückt der Rat dennoch den Vorstoß der BU durch, das Projekt voran zu treiben und nach einem geeigneten Grundstück suchen zu lassen. Aus Sicht von CDU-Fraktionschef Ewald Vielhaus ist klar, dass mit diesem Beschluss längst noch kein Startschuss für ein Tierheim gefallen ist. Lothar Diehl, Fraktionsvorsitzender der Bürger Union, ist von dem Konzept der Tierhilfe und vom Projekt insgesamt überzeugt. Er geht davon aus, dass sich das Projekt trägt. Die Stadtkasse werde nicht belastet, erklärt Diehl.

Laut Tierhilfe ist die Einrichtung einer Auffangstation erst einmal ein Anfang. In dem Konzept heißt es: "Bei der Wahl des Geländes soll der spätere Ausbau der Tierauffangstation zu einem der Stadt angemessenen Tierheim zumindest gedanklich mit einbezogen werden."

Sollte das Projekt umgesetzt werden, dann würde die Tierhilfe eine 400 Euro-Kraft und mehrere Ein-Euro-Jobber einsetzen. "Das Ehrenamt überwiegt in der Station und verursacht somit auch keine weiteren Kosten", heißt es in dem Konzept. Die bisherigen Kosten der Tierhilfe belaufen sich pro Jahr auf 46 960 Euro. Bei einer zusätzlichen Auffangstation würde sich der Etat auf 60 100 Euro erhöhen. Die Tierhilfe ist davon überzeugt, dass eine neue Station die Spendenbereitschaft (Sach- und Geldmittel) steigern werde. Zudem sei eine deutliche Vergrößerung des Mitgliederstammes möglich.

(RP)