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Stadt Kempen: Rathaus-Projekt stößt auf Widerstand

Stadt Kempen : Rathaus-Projekt stößt auf Widerstand

Grüne und FDP lehnen den Ankauf von drei Bürogebäuden für ein neues Teilrathaus in Kempen ab. Das soll nun 9,7 Millionen Euro kosten, fast 1,5 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Die anderen Parteien wollen erst noch beraten.

Die Verärgerung über die Preissteigerung ist groß. Insbesondere die Kempener Grünen und die Liberalen lehnen den geplanten Ankauf von drei noch zu bauenden Bürogebäuden an der Schorndorfer Straße am Kempener Bahnhof durch die Stadt rundweg ab. Erst recht, nachdem am Dienstagabend die Stadtverwaltung im Ausschuss für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung eine neue Kostenrechnung für das Projekt präsentiert hat. Statt der im April dieses Jahres vom Stadtrat beschlossenen 8,25 Millionen Euro sollen die Gebäude, in denen künftig Teile der Stadtverwaltung untergebracht werden sollen, nun fast 9,7 Millionen Euro kosten. Neben dem Ankauf der vom Investor Hout Consult geplanten Gebäude sind in der Summe auch die komplette Einrichtung und Herstellung der Infrastruktur für das neue Teilrathaus enthalten.

Stadtkämmerer Jörg Geulmann präsentierte die Konzeption für die neue Verwaltungsnebenstelle im Ausschuss. Er koordiniert gemeinsam mit dem Leiter des Amtes für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung, Heinz-Peter Teneyken, eine interne Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung. Die hat seit dem Frühjahr gemeinsam mit Vertretern der Firma Hout Consult, die die Bürogebäude bauen und dann an die Stadt verkaufen will, ein Raum- und Nutzungskonzept erarbeitet. Die erheblichen Mehrkosten ergeben sich nach Angaben von Geulmann unter anderem durch die Umgestaltung des mittleren der drei Häuser, in dem ein Empfangsbereich für Besucher und ein so genannter Stabsraum für ein Krisenzentrum eingerichtet werden soll. Außerdem sollen halogenfreie Kabel und Leitungen und eine LED-Beleuchtung in den Gebäuden verbaut werden. Außerdem soll die IT-Ausstattung auch künftigen Anforderungen gewachsen sein und müsste dadurch erheblich umfangreicher ausfallen. Die beiden äußeren Gebäude sollen zudem im Kellerbereich so umgestaltet werden, dass dort in einer Art Souterrain weitere Büros eingerichtet werden können. Die Stadt geht davon aus, dass die Gebäude durch die baulichen und technischen Anpassungen eine Wertsteigerung erfahren.

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Das Vorhaben ist aus Sicht der Verwaltung "alternativlos". Das unterstrich auch Bürgermeister Volker Rübo in der Ausschusssitzung. Er und Kämmerer Geulmann betonten, dass die Arbeitsbedingungen für die Stadtmitarbeiter derzeit im Rathaus am Buttermarkt und in den Außenstellen sehr unbefriedigend und belastend seien. Durch den Neubau könnten die Probleme recht bald gelöst werden. Alternativen sieht der Bürgermeister nicht, da es in Innenstadtnähe an geeigneten Flächen für ein neues Verwaltungsgebäude fehlt.

Sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am 17. Oktober dem Ankauf der Gebäude mit der geänderten Planung zustimmen, könnte mit dem Neubau im kommenden Frühjahr begonnen werden. Bezugsfertig wäre das neue Teilrathaus dann Mitte 2019. Danach könnte das Rathaus am Buttermarkt leer gezogen und grundsaniert werden. "Wir wollen in den nächsten vier bis fünf Jahren zu guten Verhältnissen für unsere Mitarbeiter kommen", betonte Rübo.

Dass die Arbeitsbedingungen der Stadtbediensteten im Rathaus und in den Außenstellen derzeit äußerst unbefriedigend sind, wird von keiner politischen Partei bestritten. Gleichwohl wird der Ankauf von drei Gebäuden kritisch gesehen. Ein zentrales Gebäude, das nach modernen ökologischen Prinzipien errichtet wird, fordern Grüne und FDP. Beide Parteien wollen beim dem Vorhaben nichts übers Knie brechen". Der vorliegende Plan sei "mit der heißen Nadel gestrickt und Flickschusterei", kritisierte Grünen-Ratsherr Michael Rumphorst. Und FDP-Kollege Bernd Lommetz forderte: "Wir müssen alles noch mal auf Null stellen". Beide Fraktionen halten ein Teilrathaus mit drei einzelnen Gebäuden für unzweckmäßig. Während Grünen-Ratsfrau Monika Schütz-Madré sich vorstellen kann, das Kanders-Gelände gegenüber dem Self-Markt an der Kleinbahnstraße zu kaufen und dort ein neues Technisches Rathaus zu bauen, brachte FDP-Kollege Jörg Boves das Gelände neben der Reithalle am Schmeddersweg ins Gespräch.

Alle übrigen Ratsfraktionen - CDU , SPD, Freie Wähler und Die Linke - legten sich nicht fest. Sie haben noch Beratungsbedarf. Eine Entscheidung wurde daher in die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 10. Oktober vertagt.

(RP)