Lokalsport: Ice Aliens starten wieder bei "Null"

Lokalsport: Ice Aliens starten wieder bei "Null"

Nach jeweils einem Sieg und einer Niederlage kämpft der Eishockey-Regionalligist gegen Diez weiter um den Finaleinzug.

Es ist eine Eishockey-Play-off-Serie, die mit allen Bandagen geführt wird - nicht nur auf dem Eis. Die Ratinger Ice Aliens und der Tabellenprimus der Regionalliga West, die EG Diez-Limburg, liefern sich im Halbfinale packende Duelle. 7:6 nach Penaltyschießen gewann Ratingen das erste Spiel; am Sonntag entführten die "Rockets" mit zwei Toren in den letzten beiden Minuten beim 5:3 den zweiten Sieg am Sandbach. "Es ist richtig gutes Eishockey, das da gespielt wird", sagt Christian Müller, Verteidiger der Aliens. "Da sind viel Emotionen drin."

Und das nicht nur während des Spiels. Denn nach der ersten Partie in Diez gab es unschöne Szenen am Ratinger Mannschaftsbus, zu deren Ablauf sich die Beteiligten beider Teams im Nachhinein ziemlich unterschiedliche Versionen abliefern. Übereinstimmung herrscht nur darin, dass Dustin Schumacher und Dennis Fischbuch mit ihren Frauen und einigen Teamkollegen am Mannschaftsbus standen, während der Diezer Konstantin Firsanov mit seiner Eishockeytasche vorbei lief. Er verstaute die Tasche in seinem Auto und ging dann noch einmal zurück zum Ratinger Bus. So weit zu den Übereinstimmungen.

Denn ab dieser Stelle gehen die Darstellungen der Beteiligten sehr stark auseinander. Aliens-Akteure berichten, Firsanov soll Verteidiger Dustin Schumacher von hinten angesprungen haben, woraufhin ein Handgemenge entstanden sei. Verteidiger Dennis Appelhans habe schlichten wollen und sich dabei einen Faustschlag Firsanovs und ein blaues Auge eingehandelt. Nach dem Vorfall riefen die Aliens-Verantwortlichen die Polizei und erstatteten Anzeige gegen den Diezer Stürmer.

Von Diezer Seite werden die Vorgänge indes anders dargestellt: Firsanov habe nur seine Hand auf den Arm Schumachers gelegt, um mit ihm über ein vorheriges Foul des Abwehrspielers zu reden. Daraufhin soll ein dritter Ratinger Spieler auf Firsanov losgegangen sein und ihn geschlagen haben. "Es liegt ein Überwachungsvideo der Eishalle vor, das die Szenerie zeigt", sagt Werner Lotz, zweiter Vorsitzender der EGDL. "Darauf ist zu sehen, dass der erste Schlag eindeutig von einem Ratinger Spieler kam." Das Video konnte unserer Redaktion trotz Nachfrage jedoch nicht zur eigenen Sichtung vorgelegt werden.

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Unabhängig davon, von welcher Seite die Eskalation letztlich ausging, haben solche Szenen beim Eishockey nichts verloren - um so schöner war es, dass sich beide Teams zwei Tage nach dem Vorfall auf dem Ratinger Eis einen packenden Zweikampf lieferten, in dem bis an die Grenzen des Erlaubten und nur ganz leicht darüber hinaus gekämpft wurde. "Beide Teams spielen auf extrem hohen Niveau", sagt Müller. "Es ist trotzdem bitter, wenn du Spiel zwei so knapp verlierst."

Vor allem nach dem hart erkämpften Sieg am Freitag - an dessen Entstehung der Routinier offenbar maßgeblich beteiligt war. Mitspieler berichten, dass der gestern 34 Jahre alt gewordene Abwehrspieler nach dem durchwachsenen ersten Drittel (2:3) eine mitreißende Kabinenpredigt hielt - und seine Teamkollegen richtig anfeuerte.

Immerhin wissen die Aliens nach zwei Spielen, dass sie mit dem Tabellenführer durchaus auf Augenhöhe mithalten können. Bleibt nur die Frage nach der Puste - Trainer Johnigk ließ am Wochenende weitgehend nur mit zwei Reihen spielen. Ob das gegen die starken Diezer auf Dauer gut gehen kann, ist fraglich.

(RP)