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Neuss: Der Kammerchor "Capella Quirina Neuss" gab ein Konzert in der Quirinusbasilika.

Konzert in St. Quirin Neuss : Empfindsame Klangflächen

In der Quirinusbasilika hatte Münsterkantor Joachim Neugart seinen Chor gut verteilt. „Chor-Raum-Spirituell“ nannte er das Konzert.

Mit und in Chören zu arbeiten, ist in der durch Corona bestimmten Zeit nahezu unmöglich. Denn Abstandsregeln schließen ein harmonisches Miteinander im Prinzip aus.

Münsterkantor Joachim Neugart hat aus dieser Not eine Tugend gemacht: „Chor-Raum-Spirituell“ nannte er jetzt ein Konzert in der Quirinusbasilika und hatte seinen renommierten Kammerchor „Capella Quirina Neuss“ weit, entsprechend aller Abstandsregeln, über den Chorraum der ehrwürdigen Neusser Hauptkirche verteilt. Sogar auf dem Laufgang unterhalb der oberen Fenster, der die Dreikonchenanlage vollständig umzieht, waren Sängerinnen und Sänger aufgestellt. Nur ein einfaches Eisengitter sichert sie zum weit tiefer liegenden Kirchenraum.

Klangflächen in der Chormusik sollten so zugleich demonstriert werden. Das gelang schon der Düsseldorfer Sopranistin Elisa Rabanus, die drei gregorianische Gesänge der Hildegard von Bingen stilsicher von unterschiedlichen Stellen des Gotteshauses interpretierte. Nur die mittlere Antiphon „O aeterne Deus“ erinnerte zu sehr daran, dass sie auch Oper studiert hat.

Von der Gregorianik her rührt auch die liedhafte Melodik, mit der Josef Rheinberger seine „Cantus Missae“ für Doppelchor a capella 1878 ausstattet. Das „Kyrie“ sang der Kammerchor – wohlgemerkt von unterschiedlichsten Stellen – exzellent homogen – in der Musik von Abstand keine Spur.

Münsterkantor Joachim Neugart, der das Konzert mit einer „Méditation“ von Louis Vierne an der Orgel eröffnet hatte, führte mit großer Gestik die Stimmen wunderbar zusammen.

Als Kontrapunkt zu Rheinbergers „Kyrie“ erklang das Werk des norwegischen Pianisten und Komponisten Ola Gjeilo (42). „The Spheres“ hat er den ersten Satz seiner siebenstimmigen „Sonnenaufgangsmesse“ überschrieben. Es war so, dass bei dieser friedvollen emphatischen Musik, die Planeten im entstehenden All in ruhigen Klangflächen beschreibt, der Kammerchor im Raum zu schweben schien.

Zeitgenössische Motetten von William Harris, Eric Whitacre und Vytautas Miškinis ergänzten das Programm. „Kirchenmusik ist das letzte große Schaufenster der Kirche, also muss sie gut sein“, forderte vor schon einem Jahrzehnt der Berliner Kirchenmusikdirektor Jörg Strodthoff (in „Die Welt“ am 23. Dezember 2009).

Diese Forderung erfüllt der Kammerchor „Capella Quirina Neuss“ immer wieder vollendet aufs Neue. Wen wundert es da noch, dass er eingeladen ist, das Konzert am 17. Oktober in der Eglise St. Mathieu in Colmar zu wiederholen.