Neuss: "Lukas" soll neues Altenheim Norf führen

Neuss : "Lukas" soll neues Altenheim Norf führen

Das Planverfahren steht am Anfang, konkurrierende Angebote liegen vor, doch nur ein möglicher Betreiber wurde gefragt.

Drei von zehn Norfern sind jenseits der 60, doch adäquate Wohnangebote – inklusive Altenheim – für Menschen im Herbst ihres Lebens gibt es nicht. Ein Neubau-Projekt im Dreieck zwischen Nievenheimer Straße, Friedhof und Grupellopark soll die Angebotslücke schließen. Aktuell stehe die Frage an, "wer es machen soll", sagt Planungsdezernent Christoph Hölters. Dabei scheint der Fall schon beschlossen. Fraktionsübergreifend wird der Neusser Bauverein als Investor genannt. Und zumindest in der CDU-Fraktion wurde schon das Lukaskrankenhaus als Betreiber vorgestellt. Dabei ist das Planungsverfahren erst ganz am Anfang.

Zu überplanen sind zwei Hektar Fläche in städtischem Besitz. Das städtische Liegenschaftsamt hat daher alle Investoren, die in Neuss schon mal ein Altenheim bauen wollten, um ein Angebot plus städtebaulichem Konzept gebeten. Eine Handvoll Entwürfe liege vor, erklärt Peter Müller vom städtischen Regiebetrieb Liegenschaften Vermessung Neuss (LVM). Eine erste Sichtung mit Mitarbeitern des Planungsamtes erfolgte gestern, fachlich bewertet sind die Entwürfe noch nicht. Das soll nächste Woche geschehen. "Mal sehen, wie viel Substanz da drin ist", sagt Müller, der mit einer raschen Vergabeentscheidung rechnet.

Jeder Entwurf sieht ein Altenheim vor, daneben aber auch Wohnbebauung. Auch der Bauverein denkt im Sinne eines "lebendigen Mix", wie es Bauvereinsvorstand Frank Lubig nennt, in die Breite. Zum Pflegeheim mit 80 Betten sollen 40 Wohnungen für altengerechtes und betreutes Wohnen sowie 20 Reihenhäuser und 150 Wohnungen kommen, die zum Teil öffentlich gefördert sind. Alles in allem fast 300 Wohneinheiten, für deren Bau der Bauverein 50 Millionen Euro aufbringen will.

Während das Diakonische Werk Neuss-Süd, das DRK, die Augustinus-Kliniken und der Caritas-Kreisverband nach Auskunft der jeweiligen Geschäftsführer bestenfalls gerüchteweise von dem neuen Altenheim gehört haben und bei keinem ein Interesse an einem möglichen Einstieg als Betreiber abgefragt wurde, wurde das Lukaskrankenhaus, dem die Stadt ihr Herz-Jesu-Pflegeheim übertragen hat, aktiv angegangen. Der Verwaltungsrats-Vorsitzende Thomas Nickel bestätigte Gespräche wie Interesse: "Der Konzern Lukas kann sich so gut erweitern." Interesse hätte aber auch zumindest die Diakonie gehabt, wie Geschäftsführer Rainer Küpper bestätigt: "Hätten wir das gewusst, wir hätten uns sicher gemeldet."

Nachdem ein Altenheim-Projekt von Caritas und Bauverein an der Vellbrüggener Straße vor Jahren scheiterte, ist die Bezirksausschuss-Vorsitzende Waltraud Beyen (CDU) froh, dass es nun endlich ernst wird mit dem Altenheimbau: "Es gibt keine Sprechstunde, in der ich nicht danach gefragt werde."

(NGZ)
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