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Neuss: Wackelzug spaltet die Schützenwelt

Neuss : Wackelzug spaltet die Schützenwelt

Komitee und Korpsführer wollen nicht, dass der Umzug am Dienstagabend des Schützenfestes zum Chaoszug wird. Neuss streitet über das richtige Maß.

Wie viel Karneval verträgt der so genannte Wackelzug, mit dem die Neusser am Schützenfest-Dienstag ihr Heimatfest beenden? Singend, tanzend und in zum Teil abenteuerlichen Kostümierungen begleiten dann die Schützen ihren neuen König durch die Stadt. Nun treten Komitee und Korpsführer an, diesem "Zug in Auflösung" wieder Leitplanken zu geben. "Der Vorstand wird solchen Auswüchsen mit allen Mitteln entgegentreten", kündigt der neue Grenadiermajor Markus Ahrweiler an.

Der Wackelzug ein Sanierungsfall? Die Antwort auf diese Frage spaltet die Neusser Schützenwelt. "Es ist gut, wie es ist", sagt Heidi Bongartz, die mit ihrer Familie auf der Furth lebt, "wenn die Schützen etwas ändern, dann bleiben wir demnächst am Dienstagsabend zu Hause." Ernsthafte Umzüge gebe es genug: "Da darf zum Abschluss doch auch mal gelacht werden." Dem stimmt Elisabeth Gerdes aus der Innenstadt zu: "Das muss so sein. Die Tradition sagt, dass die Schützen am Dienstagabend ihre ganze Freude und Vielfalt zeigen." Sie schaue sich jedes Jahr das fröhliche Treiben mit Vergnügen an.

Eine differenzierte Betrachtung mahnt Lia Hombergs an. Der Umzug am Dienstagabend sei immer etwas anders gewesen: "Die Hüte wurden geschmückt oder die Schützen haben sich Schnauzbärte angeklebt." Aber es seien auch immer Grenzen eingehalten worden: "Jetzt nimmt die Maskerade überhand und es ist auch zu viel Alkohol im Spiel." Es sei richtig, wenn das Komitee und die Korpsführer versuchen würden, gegenzusteuern: "Wenn es so weitergeht, gucke ich mir das Spiel nicht mehr an."

Der 1995 gegründete Grenadierzug "Stubenhocker" verzichtet auf den Wackelzug. "Wir, die wir keine Veränderung an unseren Uniformen vornehmen, sind am Straßenrand teilweise in sehr heftiger Form angemacht worden", sagt Oberleutnant Josef Förster, "das müssen wir zum Abschluss unseres schönsten und größten Stadtschützenfestes nicht haben." Schützen sollten sich nicht "zum Affen machen".

(lue-)