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Neuss: Die Verlockungen der Möbel-Giganten

Neuss : Die Verlockungen der Möbel-Giganten

Der Präsentation der drei möglichen Investoren folgte gestern die Auseinandersetzung mit den Konzepten der Mitbewerber. Dabei wird klar: Das Angebot, das Hammfeld II komplett zu überplanen, macht Schule.

Städtereisen sind in Mode, aber nicht immer dienen sie der Erholung. Die FDP-Fraktion etwa wird jetzt auf Reisen gehen und sich in anderen Städten Möbelhäuser der drei Investoren ansehen, die vis-a-vis zum Rheinpark-Center ein solches neu bauen wollen. "Wir sehen uns vor Ort um, weil wir die Bieter ernst nehmen", erklärt der Fraktionsvorsitzende Heinrich Köppen dieses Engagement. Aber die Interessenten kämen auch nach Neuss. "Wenn es Fragen gibt – jederzeit", stellt Oliver Mühle klar, Geschäftsführer der Mönchengladbacher Schaffrath-Gruppe.

Die schwarze Linie unten rechts markiert die Fläche, die sich der Investor Krieger für sein Möbelhaus schon gesichert hat. Foto: Krieger Projektentwicklung

Der Präsentation der eigenen Konzepte am Donnerstag in nicht-öffentlicher Ratssitzung folgte gestern die Auseinandersetzung mit den "Verlockungen" der Mitbewerber. Dabei wurde klar: Das Angebot Kurt Kriegers (Möbel Höffner), nicht nur den Möbelhausstandort, sondern auch das ganze Hammfeld II zu überplanen, zeigt Wirkung. "Überraschend. Ein völlig neuer Aspekt", gab Reinhold Gütebier zu, der Sprecher der Geschäftsleitung der süddeutschen Möbelhausgruppe Segmüller. Man überlege, das auch anzubieten, sagte er, räumte aber ein: "Eigentlich ist das nicht unser Business. Wir sind weder Makler noch Projektentwickler. Wir bauen und betreiben Möbelhäuser." Und genau so habe man sich präsentiert. Die Resonanz aus dem Rat auf ihr Konzept stimmt die Schwaben vorsichtig optimistisch: "Wir haben ein gutes Gefühl."

Segmüller plant ein weiteres Haus in Pulheim, die Baugenehmigung liegt vor. Ein Punkt, den der Berliner Kurt Krieger als Munition nutzt. Zumindest die Kunden südlich von Neuss wüssten nicht, ob sie nach Pulheim oder Neuss fahren sollen, argumentiert er in einer 34-seitigen Broschüre, die den Ratsmitgliedern ausgehändigt wurde. Deutlicher noch fiel seine Schwachstellen-Analyse zum Zwei-Standorte-Konzept der Schaffrath-Gruppe aus. Die plant, das heutige Möbelhaus Franz Knuffmann am Theodor-Heuss-Platz in ein Design-Möbelhaus der Marke Sijben zu verwandeln und ein Knuffmann-Haus im Hammfeld zu bauen. "Ein Design-Haus müsste auch das entsprechende Architektur-Design haben", argumentiert Krieger. Das bedeute faktisch Abriss und Neubau. Zudem stellt er fest: "Beispiele von wirtschaftlich erfolgreichen Design-Häusern in Deutschland kennen wir nicht."

Stimmt nicht, hält Oliver Mühle dagegen, die Marke Sijben beweise seit zehn Jahren das Gegenteil. Er schießt zurück: Krieger wolle ein Höffner-Haus in Düsseldorf neu bauen und das gleiche noch einmal in Neuss. Ob das ein Plus sei?

Die Pläne von Höffner wie von Schaffrath in Düsseldorf waren Anlass für viele Fragen im Rat, doch Kurt Krieger hat das Engagement dort schon abgehakt. Die Stadt Düsseldorf habe ihm ein Grundstück verkauft und ihm dann zu verstehen gegeben, als Möbelhaus-Betreiber unerwünscht zu sein. Krieger fühlt sich hinters Licht geführt – und dadurch motiviert: "In Düsseldorf wollen wir nicht mehr. Aber wir wollen es den Düsseldorfern zeigen."

(NGZ)