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Neuss: Gerresheim-Kunst für Neuss

Neuss : Gerresheim-Kunst für Neuss

Der Künstler Bert Gerresheim, der den Jakobus auf dem Freithof entworfen hat, schenkt dem Clemens-Sels- Museum rund 70 Zeichnungen. Es sind die Orginale zum "Oostender Stundenbuch", eine Hommage an James Ensor.

Unzählige Male ist er nach Ostende gereist, durch die Straßen spaziert und den Spuren nachgegangen, die der bekannteste Sohn der belgischen Stadt dort hinterlassen hat. Die Begeisterung für den belgischen Maler James Ensor ging bei dem Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim so weit, dass er die Türklinke von Ensors Atelier stehlen wollte — bevor die Abrissbagger kommen sollten. Polizisten erwischten ihn, aber ließen Gerresheim laufen. Vermutlich, so sagt der 76-Jährige heute amüsiert, weil sie ihn, der als Grund für die Tat die Liebe zu Ensors Kunst angab, "für ein bisschen verrückt" hielten.

Den Grundstein für diese Faszination von Ensors symbolistischer Bilderwelt hat indes Irmgard Feldhaus gelegt. Die Direktorin hatte 1956 in ihrem Clemens-Sels-Museum eine Ausstellung mit Ensor-Werken konzipiert, als der Maler in der Kunstwelt gerade wenig galt, "in der ich aber gar nicht oft genug sein konnte", wie Gerresheim sagt. Und diese Verbundenheit mit dem Neusser Haus und seiner Symbolisten-Sammlung hat über den Tod von Irmgard Feldhaus gehalten und beschert dem Museum nun eine Gerresheim-Schenkung, von der die jetzige Chefin Ute Husmeier-Schirlitz sagt: "Sie ist ein besonderer Schatz."

Denn bei seinen vielen Besuchen in Ostende hat Gerresheim Skizzen gemacht und Fotos geschossen, aus denen in seinem Düsseldorfer Atelier rund 70 eigenständige Zeichnungen wurden, die er nun dem Sels-Museum geschenkt hat. Vier Wochen lang sind sie zu sehen, ergänzt um Originale von Ensor im Zwischengeschoss, und verweisen zudem auf ein wunderbares Projekt, das Gerresheim mit dem Mönchengladbacher Kunstbuch-Verlag B. Kühlem verwirklichte.

"Oostender Stundenbuch" heißt es, ist in zweifacher Hinsicht ein Erlebnis— haptisch wegen des Naturpapiers und visuell werden der detailreichen, zugleich oft skurrilen und sarkastischen Zeichnungen Gerresheims. Allesamt beziehen sie sich mal ganz direkt auf Ensor-Werke, oder spiegeln Gerresheims Eindrücke von Ensors Heimatstadt am Meer wieder. Immer aber lassen sie den Betrachter zum Geschichten-Erfinder werden. Die Gestaltung der Seiten, die Auswahl der begleitenden Texte und Gedichte machen das Buch zu einem wahren Liebhaber-Objekt.

(NGZ)