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Neuss: Schüler mit Unfallfotos erziehen

Neuss : Schüler mit Unfallfotos erziehen

Vertreter der Feuerwehr, Polizei und Sanitäter zeigen den Elftklässlern der Janusz-Korczak-Gesamtschule Bilder von schweren Unfällen in Neuss. Sie berichten authentisch ihre erlebten Geschehnisse. Die Schüler sind geschockt.

Die Elftklässler der Janusz-Korczak-Gesamtschule sind wie erstarrt. Sie hören gebannt den Erzählungen des Neusser Feuerwehrbeamten Markus Brüggen zu. Seine Stimme zittert leicht. Er berichtet von einem Unfall auf der A 46. Dort wurden damals drei junge Männer zwischen 18 und 23 Jahren sehr schwer verletzt. Sie rammten ein weiteres Fahrzeug, bevor sie seitlich unter der Brücke zum Stehen kommen. Zahlreiche Helfer kümmern sich um die Schwerverletzten. "Der Fahrer war zu schnell gefahren und somit Schuld daran, dass er und seine Freunde schwer verletzt waren", sagt Brüggen.

Nach dem Feuerwehrmann betreten weitere Vertreter der Neusser Feuerwehr, Polizei und Rettungsassistenten die Bühne der Aula. Sie alle schildern eindringlich ihre Erlebnisse bei Unfällen mit Schwerverletzten und Toten. Die Veranstaltung ist Teil des landesweiten Projekts "Crash-Kurs NRW – Realität erfahren. Echt hart." Durch die teilweise schockierenden Details und Bildern der völlig verbeulten Unfallautos sollen Emotionen bei den Jugendlichen erzeugt werden, erläutert Projektleiter Gereon Hogenkamp. "Die Jugendlichen verknüpfen diese starken Gefühle mit den Geschehnissen. Sobald sie in eine ähnliche Situation geraten, tauchen sofort wieder die Bilder im Kopf auf und lassen sie hoffentlich richtig handeln." Thema der Veranstaltung sind Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen, Fahren ohne Gurt und Ablenkungen wie etwa eine SMS schreiben.

Der Schock sitzt bei vielen Schülern tief. Eine Schülerin verlässt während eines Beitrags die Aula. "Es war hart das zu sehen", sagt Julia Thalhofer (16). "Man denkt, dass einem so etwas gar nicht passieren kann. Es ist erschreckend zu hören, wie schnell es aber gehen kann."

Dass dieses Projekt Erfolg haben kann, zeigt die englische Grafschaft Staffordshire. Dort wird diese Art der Verkehrserziehung bereits seit Jahren angewendet. Mit Erfolg: "Unfälle mit Schwerverletzten sind um rund 40 Prozent zurückgegangen", erläutert Hogenkamp. Das soll auch bei uns landesweit gelingen. Vor rund einem Jahr startete das Projekt mit sechs Pilotbehörden – eine von ihnen in Neuss. Zurzeit besuchen sie die Neusser Schulen, es folgen Grevenbroich und Dormagen.

"Dabei ist es wichtig, lokale Unfälle zu zeigen", sagt Hogenkamp. "Und sie sollten authentisch erzählt werden. Die Schüler spüren das", sagt Hogenkamp. Besonders beeindruckt hat sie ein Unfall auf dem Willy-Brandt-Ring mit einem Schwerverletzten und einem Toten. Die Bilder allein sprechen Bände. Und dann betritt Alexander die Bühne. "Ich bin der Beifahrer", sagt er mit fester Stimme. Er berichtet den Unfallhergang, seine große Angst und den Anblick seines toten Freundes auf dem Fahrersitz. "Das war wirklich schockierend, aber auch sehr mutig", sagt Marco Heßdörfer (17). Alexander wirkt mitgenommen, er durchlebt gerade noch einmal die Unfallnacht. Doch das ist es ihm wert. "Ihr könnt alle etwas tun", rät er mit Nachdruck. "Versucht auf den Fahrer einzuwirken."

(NGZ)