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Neuss/Düsseldorf: Obdachlosen-Mord: Angeklagte gestehen

Neuss/Düsseldorf : Obdachlosen-Mord: Angeklagte gestehen

Mit Geständnissen ist am Düsseldorfer Landgericht am Donnerstag der Prozess um den so genannten "Obdachlosen-Mord" auf dem TÜV-Gelände in Neuss fortgesetzt worden. Die beiden 18- und 38-jährigen Angeklagten räumten ein, einen vietnamesischen Flaschensammler zu Tode geprügelt zu haben.

In den Geständnissen der beiden Männer wurden erschreckende Details über die furchtbare Tat bekannt. "Nun sagen Sie mal in ihren eigenen Worten: Was war da los? Was ist da passiert?", forderte Jugendrichter Werner Arendes den erst 18 Jahre alten Dennis E. immer wieder auf. Der kahlgeschorene Hauptangeklagte und mutmaßliche Neonazi blickte immer wieder zu Boden und stockte – er selbst fand kaum Worte für das Geschehen in der Nacht von 26. auf den 27.März auf dem Neusser Kirmesplatz.

Zunächst hatte er nach eigenen Angaben bereits Stunden vor dem eigentlichen Mordgeschehen das spätere Opfer beraubt. 190 Euro hatte der aus Mönchengladbach stammende Intensivstraftäter dem Neusser Flaschensammler abgenommen. "In dem Wohnheim am Derendorfweg hatte sich herumgesprochen, dass der Vietnamese immer viel Geld bei sich hatte", räumte E. ein, "deshalb bin ich zu ihm hin." Gemeinsam mit einem "Kumpel" aus dem Wohnheim sei er anschließend zu "Real" gegangen, um hier einzukaufen.

"Für 70 Euro haben Sie vor allem Bier und Schnaps gekauft", meinte Richter Arendes zum Angeklagten, "anschließend haben Sie die anderen Männer im Fernsehraum der Obdachlosenunterkunft eingeladen und gesagt: 'Hier, das hat der Vietnamese gesponsert.'"

Damit hatte Dennis E. aber offenbar noch nicht genug: Nach Mitternacht ging er erneut auf die Suche nach dem 59-Jährigen. Gemeinsam mit Sven K. fand er den Mann schlafend im Eingangsbereich des TÜV-Gebäudes. "Da ist Dennis ausgerastet", meinte K. am Donnerstag in seinem Geständnis. Offenbar wie von Sinnen trat und schlug er immer wieder auf den Flaschensammler ein, dann durchsuchte er laut Geständnis seine Kleidung, fand aber gerade einmal acht Euro.

"Danach hab ich mich an einen Holzpfosten erinnert, der in der Nähe lag", so E. Der 18-Jährige holte den Pfosten, umklammerte das Holz mit beiden Händen und schlug mit größter Brutalität immer wieder auf den Mann ein. "Ich wollte nicht, dass er mich anzeigt." Das Opfer starb schließlich an einer Vielzahl von schlimmen Verletzungen.

Sven K. gilt bei dem Mord als Mittäter. Unklar ist, ob er auch an den tödlichen Schlägen beteiligt war. Er räumte in seinem Geständnis allerdings ein, das Opfer vermutlich auch geschlagen und getreten zu haben. Ebenso gab er zu, sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf ihn fallen gelassen zu haben. Dem 18-jährigen Dennis E., der Ausländer nach eigenen Angaben als "Kanacken" bezeichnet, drohen nun bis zu zehn Jahre Jugendstrafe. Sein mutmaßlicher Komplize muss sogar mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe rechnen.

Für das Verfahren hat die Jugendkammer am Düsseldorfer Landgericht insgesamt noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Mit dem Urteil wird frühestens am 13. Dezember gerechnet. Bis dahin soll noch eine Vielzahl von Zeugen gehört werden.

(NGZO)