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Rhein-Kreis Neuss: Die eigene Zukunft planen

Rhein-Kreis Neuss : Die eigene Zukunft planen

Beim Kolping-Bildungswerk bereiten sich Jugendliche und junge Erwachsene an vier Standorten auf eine Ausbildung oder auf das Arbeitsleben vor. 55 Mitarbeiter helfen ihnen dabei.

Draußen gibt es zu dieser Jahreszeit nicht viel für sie zu tun, daher haben sich Florist- und Gärtnermeister Florian Messerer und eine Gruppe von Jugendlichen im Gewächshaus versammelt. Mit Tisch, Bänken und einer grünen Schultafel wurde dort eine Art Klassenzimmer geschaffen.

Heute dreht sich alles um den Weihnachtsstern. "Er heißt auf lateinisch Euphorbia pulcherrima, und die bunten Blätter sind nicht seine Blüten, sondern Hochblätter", erklärt der stellvertretende Leiter des Standortes Rheydter Straße im Kolping-Bildungswerk Neuss.

Neben praktischen Erfahrungen im Gärtnern müssen die Teilnehmer an der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) im Bereich Garten- und Landschaftsbau auch theoretische Kenntnisse erwerben. Da geht es um Ökologie, Botanik, Photosynthese und die richtige Pflege von Pflanzen.

Im benachbarten Gebäude sind derweil die künftigen Installateure und Metallbauer bei der Arbeit: Ein Kicker wird auseinandergenommen, gereinigt, repariert und wieder zusammengesetzt. Zu der Gruppe gehört auch Arnold Rangen aus Neuss. Der 19-Jährige freut sich schon darauf, dass er in den nächsten Tagen ein Praktikum in einem Betrieb absolvieren darf. Sein Ziel: einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz im Handwerk oder auf dem Bau zu bekommen. Auf einem Tisch hinter ihm liegt ein Haufen Schrauben. Das Sammelsurium wartet darauf, von den jungen Männern sortiert zu werden. "Wer Schrauben bestellen will, muss Aussehen und korrekte Bezeichnung kennen", erklärt Anleiter Cafer Sen.

Beim Kolping-Bildungswerk bereiten sich Jugendliche und junge Erwachsene auf eine Ausbildung oder auf das Arbeitsleben vor. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Probleme. Dem einen fehlt ein Schulabschluss, dem anderen die Unterstützung aus dem Elternhaus. Allen gemeinsam ist, dass sie den Sprung von der Schule ins Arbeitsleben nicht ohne Hilfe schaffen.

55 Mitarbeiter an vier Standorten in Neuss kümmern sich derzeit um rund 410 Teilnehmer. Bildungsmaßnahmen werden in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Holz, Farbe und Raumgestaltung, Metall, Installation, Bau, Kosmetik und Körperpflege, Gastronomie, Gesundheit und Soziales, Lager und Handel sowie Wirtschaft und Verwaltung angeboten.

"Unsere Aufgabe ist es, die Chancen der Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und ihnen einen Vorsprung zu verschaffen", sagt Beate Hendges (47), Standortleiterin für Neuss. Dazu werde im ersten Schritt eine Eignungsanalyse erstellt: "Jeder wird da abgeholt, wo er steht."

Ein Ziel sei es auch, die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken — von Eigenverantwortlichkeit über Zielstrebigkeit und Pünktlichkeit bis zu Kommunikationsfähigkeit und Teamarbeit. Beim Modul "Beam me up, Scotty" gehe es zum Beispiel darum, seine Zukunft nicht dem Zufall zu überlassen, sondern konsequent zu planen: "Wo stehe ich heute — und wo möchte ich in zehn Jahren sein?"

(NGZ/rl)