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Neuss: Weihnachten auf Schlesisch

Neuss : Weihnachten auf Schlesisch

Die schlesische Weißwurst gibt es nur eine Woche im Jahr zu kaufen. Sie ist eine Weihnachtsspezialität, die gebrüht zu Sauerkraut und Kartoffeln gegessen wird. Neben den begehrten Weißwürsten gibt es in Wolfgang Steinhäusers Laden "Beim Schlesier" viele weitere polnische Lebensmittel.

Dass es auf Weihnachten zugeht, verrät hier nicht etwa der Adventskalender, der sich langsam aber sicher leert, sondern die Fleischtheke. In Wolfgang Steinhäusers Spezialitäten-Geschäft "Der Schlesier" stapeln sich seit wenigen Tagen die schlesischen Weißwürste für das traditionelle Weihnachtsessen.

"Die Würste werden nur eine Woche im Jahr verkauft", sagt der 55-jährige Neusser. Traditionell werden sie an Heiligabend bei den Unterschlesiern mit Sauerkraut und Kartoffeln gegessen. "Die Oberschlesier und streng gläubigen Polen hingegen essen am 24. Dezember kein Fleisch. Stattdessen gibt es bei ihnen Fisch", erläutert Verkäuferin Jolanta Wycisk.

"Sie verzehren die Weißwürste dann am ersten Weihnachtstag — auch bereits zum Frühstück — einfach mit Meerrettich und Brot." Bevor am Heiligabend die Würste serviert werden, gibt es "klassisch eine Rote-Beete-Suppe mit "Pierogi" (Maultaschen)", sagt Wycisk.

Rote Beete ist nicht nur an Weihnachten sehr beliebt. Deshalb bietet Steinhäuser sie eingelegt, als Konzentrat und als Pulver an. Zudem bietet das Spezialitätengeschäft Salzgurken, Fertigsuppen und -gerichte wie "Flaki" (Pansen) und das Nationalgericht "Bigos" (Sauerkrauteintopf), "Zurek" (Sauermehlsuppe), Bonbons und Schokoriegel ("Prince Polo"), Sirup, Kuchen, Fleisch und Wurst sowie polnische Presse an. In einem kleinen Regal stehen mehr als 20 Sorten polnischer Wodka — mit und ohne Geschmack. Da gibt es etwa Wodka mit Kirsch-, Honig oder Minzgeschmack und einen Edelwodka, der im Eichefass gereift ist.

Steinhäuser betreibt das Geschäft nun seit sechs Jahren in Neuss. Durch seine Ex-Freundin, einer Schlesierin, wurde er an die polnische Küche herangeführt und blieb dabei. Im Februar dieses Jahres zog er mit seinen Spezialitäten an die Erftstraße gleich neben das Café Heinemann.

Seine Kunden sind zur Hälfte Polen und zur Hälfte Deutsche, ein paar Russen kommen auch regelmäßig. Die Tür geht auf, und Koryna Gongoll aus dem Lottoladen von gegenüber betritt das Geschäft. Es herrscht Hochkonjunktur, seitdem die Weißwürste in den Auslagen liegen. In der Woche vor Weihnachten verkauft Steinhäuser 60 bis 80 Kilo davon. Gongoll holt zielstrebig ein paar Waren aus den Regalen.

"Die polnischen Lebensmittel erinnern mich an die alte Heimat", sagt die Oberschlesierin, die 1981 nach Deutschland auswanderte. Regelmäßig kauft sie hier ein. Die Weißwurst für Weihnachten hat sie bereits bestellt.

(NGZ/rl)