Neuss: Der „Obermann“ ganz oben

Neuss: Der „Obermann“ ganz oben

Neuss Am Dienstag muss Pauline Riedl erst zur dritten Stunde in die Schule. So konnte die Zwölfjährige den Montag Abend im Swissôtel, wo die Neuß-Grevenbroicher Zeitung zum 29. Mal den von ihren Lesern gewählten Sportler des Jahres ehrte, mit ihren Mannschaftkameradinnen vom Voltigierteam des RSV Grimlinghausen genießen.

Ein Abend, von dem die Marienbergschülerin bis zuletzt nicht ahnte, dass es in ganz besonderer Weise ihr Abend werden würde. Denn das zierliche Mädchen, das als "Obermann" mit ihrer Mannschaft bei den Weltreiterspielen in Aachen den Mannschafts-Weltmeistertitel errang, ist - nachdem sie im August Sportlerin des Monats geworden war - die Sportlerin des Jahres 2006.

Eine große Unterstützungskampagne hatte der Verein nicht gestartet, erklärt Jessica Schmitz, die Trainerin des A-Teams. Anders als bei der WDR-Wahl, als die Voltigiererinnen mit 77 Prozent der Stimmen Mannschaft des Jahres wurden. "Das", staunt Schmitz noch heute, "kam völlig unerwartet. Wahnsinn."

In Neuss ist der Voltigiersport auch ohne solche Rummel eine Größe. Dabei hatte Pauline Riedl, die stellvertretend für die Mannschaft stand, prominente Konkurrenz. Den Radprofi Markus Fothen zum Beispiel, der zum fünften Mal Zweiter wurde - aber es noch nie nach ganz oben schaffte. Er konnte am Montag nicht dabei sein, weil heute das Team Gerolsteiner für die kommende Saison vorstellt wird. Oder die Tischtennis-Spielerin Lara Broich von Bayer Uerdingen, die überraschende Dritte.

  • Fotos : NGZ-Sportler des Jahres 2006

Die Geehrten wie auch die anderen gut 90 Gäste aus Sport, Wirtschaft und Politik, erlebten die Siegerehrung der Sportlerwahl so, wie es Klaus Overbeck, der Geschäftsführer des Neusser Zeitungsverlages, allen gewünscht hatte: als kurzweiligen Abend. Daran hatte auch Michael Skibbe großen Anteil, der ehemalige Bundestrainer und aktuelle Cheftrainer des derzeit sechstplatzierten Fußballbundesligisten Bayer Leverkusen.

Als "Entwicklungshelfer" hatte ihn Overbeck angekündigt, als jemanden, von dem vielleicht Tipps erhofft werden können, wie der Fußball im Rhein-Kreis Neuss wieder auf ein höheres Niveau gebracht werden könnte. "Das ist sehr schwer", musste Skibbe im Interview mit NGZ-Sportredakteur Volker Koch passen, ließ allerdings tiefe Einblicke in seine Trainerseele zu: "Die 90 Bundesliga-Minuten am Wochenende bedeuten einen unheimlichen Druck. - Aber am Ende ist es doch nur Sport."

Ganz großer Sport beherrschte eine zweite Gesprächrunde, bei der Koch mit Lutz Bartsch, dem Vorsitzenden des Kreis-Pferdesport-Verbandes, die Weltreiterspiele in Aachen Revue passieren ließ, bevor er von Walter Lonnes, dem Präsidenten des westdeutschen Hockey-Verbandes, hören wollte, ob die Hockey-Weltmeisterschaften im eigenen Land seinem Sport einen Schub geben konnte.

(NGZ)