1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Architekten kritisieren Ypsilon

Neuss : Architekten kritisieren Ypsilon

Auf dem Wendersplatz könnte bald ein Bürogebäude stehen – als neuer Firmensitz der Neusser Creditreform. Aber Experten formulieren erste Kritik an den Plänen, während Ratsherr Gerhard Quentin den Investor ins Visier nimmt.

Auf dem Wendersplatz könnte bald ein Bürogebäude stehen — als neuer Firmensitz der Neusser Creditreform. Aber Experten formulieren erste Kritik an den Plänen, während Ratsherr Gerhard Quentin den Investor ins Visier nimmt.

Das angedachte Bürogebäude in Form eines Ypsilons auf dem Wendersplatz löst eine emotionale Debatte aus. "Neuss vergibt eine Chance", schimpft Architekt Herbert van Hüllen, "der Treffpunkt von drei markanten Erlebnisräumen, die nah am Stadtzentrum zusammenkommen, soll durch einen Büroklotz zerstört werden." Urbanes Leben in der City, Arbeit im Hafen und Freizeit auf der Rennbahn bilden für van Hüllen diesen Erlebnisraum-Dreiklang. Frank Ende-Styra, ebenfalls Architekt in Neuss, kritisiert, dass der "Solitärbaukörper ... keine Sichtbeziehungen und differenzierte Wegeführung von der Innenstadt aus in Richtung des Rennbahnparks" entwickelt.

Als potenzieller Mieter für das Ypsilon-Gebäude gilt der Verband der Vereine Creditreform, der noch seinen Sitz im Hammfeld hat, aber den Düsseldorfer Immobilienberater Anteon beauftragt hat, nach einer Lösung zu suchen, um 500 Mitarbeitern bald ein verbessertes Arbeitsumfeld bieten zu können. Für seinen Mandanten erklärt Anteon-Geschäftsführer Marius Varro, die im Planungsausschuss vorgestellten Entwürfe des Projektentwicklers Kölbl Kruse hätten "eine im Grundsatz positive Resonanz bei Creditreform hervorgerufen".

Creditreform trat gestern auch Befürchtungen entgegen, das Unternehmen liebäugele mit einem Umzug nach Düsseldorf. Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer des Verbandes: "Seien Sie versichert, dass Creditreform sich als langjährig in Neuss ansässiges Unternehmen in dieser Stadt ausgesprochen wohl fühlt und es daher momentan keine konkreten Abwanderungspläne gibt." Der Standort Neuss genieße bei den Creditreform-Mitarbeitern eine klare Präferenz. Ulbricht bezeichnete den Wendersplatz als "eine ausgesprochen interessante Option".

Den Projektentwickler Kölbl Kruse, der bei seinem Duisburger Engagement (Landesarchiv) in die Schlagzeilen geraten ist, nahm gestern Gerhard Quentin ins Visier. Nach Auffassung des Vorsitzenden der Ratsfraktion Unabhängige / Die Linke ist das Unternehmen dort in einen "Skandal" verwickelt. Zu einem ganz anderen Schluss kommt Bürgermeister Napp. Er persönlich habe Vertrauen in das Unternehmen, das "seriös" arbeite und ihm schon lange bekannt sei. Wichtig sei in seinen Augen, dass Kölbl Kruse vom Standort Wendersplatz überzeugt sei und in die Entwicklung "viel Geld" investiere.

Das Wenderplatz-Grundstück gehört der städtischen "Tochter" Stadthafen GmbH. Geschäftsführer Klaus Harnischmacher sagt: "Das Areal ist zu wertvoll, um es nur als ebenerdigen Parkplatz zu nutzen."

(NGZ)