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Neuss: Beste Akustik für neue Musikschule

Neuss : Beste Akustik für neue Musikschule

Der Düsseldorfer Toningenieur Christian Zimmerli hat gemeinsam mit John Flynn, einem Experten von internationalem Rang, ein Klang-Konzept für das neue Musikschulgebäude im Romaneum erarbeitet. Sämtliche Unterrichtsräume verfügen nun über einen exzellenten Schallschutz.

Schräg ist gut. "Rechteckige Räume mit parallel verlaufenden Wänden ergeben harte, direkte Reflektionen, die den Nachklang stören — das wirkt wie ein Schwarz-Weiß-Bild ohne Grautöne", erklärt der Düsseldorfer Toningenieur Christian Zimmerli. "Eine gute Akustik bietet aber auch die Schattierung dazwischen und sorgt so für ein reicheres Bild." Heißt im Falle der Musikschule im Romaneum: Entgegen der ursprünglichen "rechteckigen" Planung wurden beim Innenausbau Wände schräg versetzt, rechte Winkel gemieden, Decken abgestuft. Immerhin geht es beim Musizieren immer zu allererst um den schönen Klang.

Um den hat sich beim Neubau der Neusser Musikschule auf dem ehemaligen Busbahnhof-Gelände kein Geringerer als John Flynn gekümmert. Er ist Mitinhaber der Acoustics Design Group, die zahlreiche namhafte Musikstudios in London und aller Welt eingerichtet hat, darunter die legendären Abbey Road Studios (EMI).

Waren die beiden Spezialisten Flynn und Zimmerli zunächst wegen der Akustik im Pauline-Sels-Vortragsraum und den beiden Aufnahmestudios zu Rate gezogen worden, ging es bald schon um ein Konzept für den gesamten Musikschul-Trakt. "Ohne irgendwelche Zusatzkosten", wie Jochen Büttner, stellvertretender Leiter der Musikschule betont, "die Ausgaben für die Akustik sind im Budget-Rahmen geblieben."

Büttner war es auch, der sich massiv dafür eingesetzt hat, die Fachleute an Bord zu holen. "Leider wurden wir erst spät in die Planungen einbezogen", bedauert Zimmerli, der in Düsseldorf ein Tonstudio betreibt, das auch von John Flynn designt wurde. "Zwar waren Aspekte wie etwa die Nachhallzeit bereits berücksichtigt worden, aber das sei nur ein Parameter von mehreren. Wichtig sei beispielsweise im Vortragsraum eine Schallführung von der Bühne zum Publikum. Und die ist im Pauline-Sels-Saal offenbar gelungen.

Jochen Büttner weist auf variable "Ziehharmonika"-Wände und abgetreppte Decken, die den Klang zum Hörer lenken: "Die diffuse Reflektion verhindert, dass bestimmte Töne bevorzugt werden." Textile Absorber am Ende der Tribüne "schlucken" den Schall, so dass es keinen unerwünschten Rückhall gibt. Außengeräusche vom Foyer werden durch eine "Schleuse" ausgesperrt.

Die darüber liegenden Aufnahmeräume wurden akustisch voneinander entkoppelt. Sämtliche Unterrichtsräume verfügen über einen exzellenten Schallschutz zum Nachbarraum und rund neun Zentimeter dicke Türen zu den Fluren. "In den Räumen selbst herrscht eine sehr lineare Akustik wie im Studio", beschreibt Büttner das Hörgefühl. Christian Zimmerli ist begeistert: "Ich mag nicht, wenn davon die Rede ist, dass es ja 'nur' um eine Musikschule geht", sagt der zweifache Vater, "immerhin ist das der Ort, an dem viele Menschen erstmals bewusst mit Musik in Berührung kommen. Die Neusser Musikschule ist da fortschrittlich."

(NGZ/rl)