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Rhein-Kreis Neuss: "Ich fühle mich als Erfinder"

Rhein-Kreis Neuss : "Ich fühle mich als Erfinder"

3M-Ingenieure dürfen 15 Prozent ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte nutzen. Bernd Kühneweg suchte ein Imprägniermittel für Glasscheiben und fand Scotchgard Portector. Eine Neusser Innovationsgeschichte.

Bernd Kühneweg (48) forscht und tüftelt. Er suchte ein Mittel, mit dem sich Glas und Keramik auf Dauer imprägnieren lassen, um häufiges Reinigen überflüssig zu machen. Er fand einen silikonartigen Stoff, der als dünner Film auf Fensterscheiben oder an Duschkabinen aufgetragen wird. Er sorgt sechs Monate lang für den so genannten Lotuseffekt – das Wasser perlt auf dem Glas ab wie auf der Lotus-Blume. Unter dem Namen Scotchgard Protector ist das Produkt seit April auf dem Markt; wird in Drogerie- und Baumärkten angeboten. Hersteller 3M verspricht: "Kalkrückstände im Bad oder Flecken am Fenster sind damit in Zukunft kein Thema mehr."

Erzählt wird eine Innovationsgeschichte aus Neuss. Seit neun Jahren arbeitet der Chemiker Kühneweg im Customer Technical Center, dem hochmodernen Neubau im Neusser Hammfeld, wo 3M-Ingenieure tüfteln und entwickeln. Der Standort Neuss ist eine Säule des weltweiten Innovationsnetzes von 3M mit 25 000 Patenten in 45 Technologiebereichen und 7000 Forschern. Die Produktpalette erneuert sich bei 3M beständig. Allein im laufenden Jahr schaffen es 1300 neue Artikel ins Sortiment. "Wir wollen 40 Prozent unseres Umsatzes mit Produkten erzielen, die jünger als fünf Jahre sind", sagt Firmensprecher Manfred Kremer. Das Ziel, das 2015 erreicht sein soll, ist realistisch. Bereits heute liegt die Quote bei 33 Prozent. Um immer wieder marktfähige Produkte anbieten zu können, investiert 3M jährlich 1,3 Milliarden Euro.

Erfindungen wie der Scotchgard-Protector von Bernd Kühneweg sind beim 3M nicht Zufall, sondern Ergebnis einer Innovationskultur. Das Unternehmen schafft Freiräume, in denen 3M-Entwickler an Konzepten arbeiten, von denen sie persönlich fasziniert und von deren Erfolg sie überzeugt sind. Dahinter steckt die berühmte 15-Prozent-Regel. Die meint: Jeder Ingenieur darf 15 Prozent seiner Arbeitszeit für eigene Projekte nutzen.

Der Technologiekonzern 3M versucht ein Klima im Haus zu schaffen, in dem kreatives Denken und innovative Ansätze reifen können. "Wir haben keinen Innovationsmanager oder eine Innovationsabteilung", sagt dann auch Stephan Rath, der bei 3M für Innovationsmarketing verantwortlich zeichnet. Ideen werden gefördert, damit die Forderung Ziele zu erreichen und Produkte zu verkaufen auch erfüllt werden können. Zur Innovationskultur gehört für Rath aber auch, in einem Ausleseprozess rechtzeitig von Projekten abzulassen. Auf dem Weg von der Idee zur Markteinführung sind fünf Schritte zwischengeschaltet, die immer mit einem bewussten Entschluss verbunden sind, ob das Projekt weitergeführt werden soll: "Das offen in einem transparenten Verfahren, denn wir wollen keine Verlierer produzieren." Für den Erfolg kommen bei 3M drei Komponenten zusammen: Wissen, Können und Wollen – auch eine Art Geheimrezeptur.

(NGZ)