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Aktion am Gymnasium Marienberg in Neuss: Redewendungen werden zu Kunst

Gymnasium Marienberg in Neuss : Die Kunst mal wörtlich genommen

Schülerinnen des Gymnasium Marienberg haben gängige Redewendungen künstlerisch inszeniert. Ihr Medium: die Fotografie. In unserer Bildergalerie gibt es einen Einblick.

Kunstunterricht am Gymnasium Marienberg hat nichts zu tun mit dem früher so bezeichneten Fach „Zeichnen und Werken“, denn er regt zur Auseinandersetzung an – auch mit eher alltäglich scheinenden Dingen. „Visualisieren Sie“, fordert jetzt Kunstlehrer Olaf Gruschka die Mädchen im Grundkurs Kunst des Abschlussjahrgangs auf, „gängige Redewendungen, die auf den ersten Blick nationenübergreifend decodiert werden können.“ „Erst kamen die Ideen stockend und wir waren eher skeptisch“, erinnern sich Emma Bolten und Johanna Bähr, dann aber seien die Ideen nur so gesprudelt.

Als Medium zur Inszenierung und Interpretation von Redensarten, Redewendungen oder geflügelten Worten gab Gruschka die Fotografie vor. Gemessen an der Zeit, die der Druck auf den Auslöser der Kamera dauerte, sei die Suche nach geeigneten Redewendungen und insbesondere deren planvolle Visualisierungen sehr langwierig gewesen, sagen Bolten und Bähr – und das war ja auch die eigentliche Arbeit. Hintergründe, Lichtarrangements und Organisation der Materialien waren Teil davon und benötigten Zeit, Energie und Fantasie.

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Etwas Hilfe kam aus dem Deutschunterricht, wo sich die Schülerinnen des erzbischöflichen Mädchengymnasiums zeitgleich mit Aspekten zur Sprachskepsis beschäftigten. „Mit diesem Turbo fächerübergreifenden Arbeitens verhielten sich die entstehenden Bildideen zur Sprache wie das Löschblatt zur Tinte“, berichtet Bolten. Und Bähr ergänzt: „Die Sprache wurde aufgesaugt.“

Hilfe kam auch vom Kunstlehrer, der die Mädchen mit dem Auftrag beflügelte: „Sprache wird überschätzt – machen wir uns ein Bild.“ Er forderte dazu auf, „das Denken gegen die Wand fahren zu lassen“. Es gebe derzeit genügend Menschen, die immer alles sofort wissen und in kürzester Zeit — dem Datendurchfluss ihrer Internetverbindung entsprechend — in der Lage seien, die richtige Antwort vorzuweisen. Die künstlerische Auseinandersetzung sei aber eben mehr als „Copy and Paste“, das Gruschka eine neu errungene „Kultureigenschaft“ nannte. Im Gegensatz zum Text, der uns etwas sagt und hinter dem Gesagten zurücktritt, zeige uns das Bild etwas – indem es sich zeigt. „Zeigen und Sagen sind hierbei unterschiedliche Repräsentationssysteme von Wirklichkeit“, so Gruschka. Und die Schülerinnen ließen sich darauf ein. „Während wir versponnen und verwickelt unsere gleichnamigen Projekte auf den Punkt brachten, empfanden wir Spaß an der intensiven Arbeit“, sagen Emma Bolten und Johanna Bähr.

Dass das Marienberg die Ergebnisse solcher Arbeit öffentlich macht, ist Teil des Kunstunterrichtes. Noch bis Ende Februar sind rund 200 Arbeiten von Schülerinnen aller Jahrgangsstufen, die unter dem Titel „Die Gedanken sind frei“ entstanden, im Foyer des Romaneum an der Brückstraße zu sehen. Einige andere Arbeiten haben es sogar ins Clemens-Sels-Museum geschafft. Die Sonderausstellung „Loïe Fuller – Tänzerin aus Licht und Farbe“, die noch bis Ende Januar zu sehen ist, ergänzen die im Studio des Museums gezeigten Arbeiten, die unter dem Motto „Poetisierung der Bewegung“ im Kunstleistungskurs am Marienberg entstanden sind.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So setzen Neusser Schülerinnen Redewendungen bildlich um