Neukirchen-Vluyn: Per Mausklick beitragen zum Mobilitätskonzept

Neukirchen-Vluyn : Per Mausklick beitragen zum Mobilitätskonzept

So geht Verkehrsplanung per Fingertipp: Auf der städtischen Webseite steht seit gestern eine Karte, auf der Bürger Problemstellen markieren können. Für Verbesserungsvorschläge gibt es ein Formular.

Den Autoverkehr wolle er nicht stärken, sagt Stadtplaner Hans-Rainer Runge. Im Prinzip habe die Anzahl der Autos in den zurückliegenden 14 Jahren auch gar nicht zugenommen; wenigstens nicht in Neukirchen-Vluyn, behauptet Runge. Er stützt sich bei dieser Aussage auf zwei eigene Messungen - 2004 und 2018 auf der Niederrheinallee. Diese Augenblicksbetrachtungen waren nahezu gleich, berichtet der Verkehrsplaner und Inhaber eines Stadtplanungs-Büros dem Stadtentwicklungsausschuss. Nur die Zahl der Auspendler habe sich im gleichen Zeitraum um mehr als 40 Prozent erhöht.

Das ist der Augenblick, als seine Auftraggeber den Gutachter zum ersten Mal widersprechen, lange bevor der für das Neukirchen-Vluyner Mobilitätskonzept angeheuerte Fachmann mit seiner Arbeit begonnen hat. Ein SPD-Ratsherr sagt: Seiner Einschätzung nach habe der Autoverkehr deutlich zugenommen. Und die Autos seien viel größer als früher. Der Experte aus Düsseldorf nimmt das zur Kenntnis. Und rät, auf die Ergebnisse seiner Arbeit zu warten. Etwa ein Jahr werde er für das Konzept brauchen.

Da regt sich der nächste Unmut bei seinen Zuhörern. 2016 hatten die Politiker beschlossen, dass ein Mobilitätskonzept erstellt werden muss. Warum er erst jetzt mit seiner Arbeit beginne, fragt ein Politiker von der CDU. Auftragsdefinition, Mittelbeschaffung und Ausschreibung hätten so lange gedauert, sekundiert der Technische Beigeordnete Ulrich Geilmann. Und der Verkehrsexperte ergänzt: Im Winter habe er mit der Arbeit nicht beginnen wollen.

Der Hinweis wird mit einem Schmunzeln, bei manchen aber auch mit Kopfschütteln quittiert. Die Ratspolitiker hoffen auf eine solide Entscheidungsgrundlage. Technische und gesellschaftliche Trends, wie etwa der von Elektroautos und E-Bikes oder "smart traffic", also Verkehrslenkung unter Einbeziehung moderner Digital- und Telekommunikationstechnik, müssen bedacht werden. Wie kann das Ganze barrierefrei funktionieren?

Runge will die Frage klären, ob und wie der Verkehr all den Veränderungen gewachsen sein kann und wie er für die Menschen vor Ort komfortabler wird. Das klimafreundliche Mobilitätskonzept soll die Straßen und Wege, den öffentlichen Personennahverkehr und die gesamte Mobilität in der Stadt fit machen für die Herausforderungen und Entwicklungen der Zukunft.

Dazu müssen Runge und seine Mitarbeiter zunächst eine Menge Fragen stellen. Wo gibt es gute Radwege in der Stadt und wo muss das Wegenetz noch verbessert werden? Wo gilt es, den öffentlichen Nahverkehr zu optimieren und wo mangelt es an der Barrierefreiheit? Und gibt es darüber hinaus Verbesserungsbedarf bei Fahrten mit dem Auto? Antworten auf diese Fragen und Anregungen zum Thema können ab Montag, 25. Juni, alle Bürgerinnen und Bürger auf der städtischen Website www.neukirchen-vluyn.de geben.

Eine neue Seite ermöglicht es, auf einem Stadtplan Markierungen an den Stellen zu setzen, an denen Bürgerinnen und Bürger Handlungsbedarf sehen oder wo die aktuelle Situation bereits gute Voraussetzungen bietet. Für diese Markierungen stehen unterschiedliche Fähnchen, sogenannte Icons, zu den einzelnen Themenschwerpunkten wie Radwege, PKW-Verkehr oder ÖPNV zur Verfügung.

In einem kleinen Formular können die Bürger die Situation vor Ort erläutern und Vorschläge zur Problembeseitigung machen. Die bis Ende September 2018 gesammelten Anmerkungen fließen in die Erarbeitung des städtischen Mobilitätskonzepts ein, das Vorgaben für künftige Baumaßnahmen machen und Planungen für den Verkehr in Neukirchen-Vluyn in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ermöglichen soll.

(RP)
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