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Nettetal: Vom "Pannenschoppen" zum Wirtshaus

Nettetal : Vom "Pannenschoppen" zum Wirtshaus

Das Restaurant Waldesruh in Hinsbeck hat den ältesten Biergarten am Niederrhein und besteht seit 175 Jahren. Früher war hier eine Ziegelei. Das Gasthaus lebt von Stammgästen, die schon seit mehreren Generationen kommen.

Damals ließen sich noch Liebespaare in einer Gondel übers Wasser chauffieren. "Alte Postkarten zeigen einen Gondoliere mit Gondel auf unserem Teich und den Biergarten mit kleinen Kastanienbäumen", erzählt Malek Tulabek. Der Chef von Haus Waldesruh in Hinsbeck hat viel Historisches über das beliebte Ausflugslokal gesammelt. Schließlich feiert das Gasthaus sein 175-jähriges Bestehen.

Heute sind die Kastanien riesengroß rund um den ältesten Biergarten am Niederrhein, mit Schankerlaubnis seit 1838. Stolz legt der Gastronom als Beweis die Kopie eines alten Dokuments vor. Von einem "Stück Paradies" ist darin die Rede, das "der Ruhe, Sinnlichkeit und Erholung" diene. Was noch immer zutrifft. Es ist die Idylle draußen, die Kurzurlauber, Ausflügler und Stammgäste neben dem Lukullischen drinnen schätzen. Da zieht langsam ein Entenpaar seine Runde auf dem großen Teich am Waldrand. Gegenüber unter den Kastanien der nostalgische Biergarten mit Holztischen und Klappstühlen. Viel uriges Holz an Terrasse und Fensterrahmen, die Gästezimmer mit knarrenden Dielen und Schränken von anno dazumal. Im Schankraum über dem traditionellen Jägerstammtisch hängt ein riesiges altes Gemälde von den Krickenbecker Seen. "Die Tradition von Haus Waldesruh wird seit Generationen von treuen Stammgästen lebendig gehalten", sagt Tulabek: "Einige Gäste erzählen, dass sie als Kinder auf unserem Spielplatz waren und heute mit ihren Kindern wieder herkommen ." Und sie erzählen nicht nur – sie tragen zur Aufarbeitung der Geschichte bei: "Als wir einen Aufruf starteten, uns alte Dokumente von Haus Waldesruh zu bringen, haben wir eine große Menge Postkarten und Fotos von früher bekommen."

Was es mit der Geschichte von Haus Waldesruh auf sich hat, hat der Hinsbecker Heimatforscher Heinz Koch in einer Festschrift zum Jubiläum notiert. "Der Pannenschoppen erhielt am 3. Mai 1838 seine erste Konzession auf den Namen des Besitzers Wynand Küppers", berichtet er. Pannenschoppen – eine Ziegelei war ursprünglich hier angesiedelt. Damals vergaben die Preußen erstmals offizielle Konzessionen. Der Überlieferung nach wurde freilich schon vor 1838 "schwarz" im Pannenschoppen ausgeschenkt.

Fest verbunden ist laut Koch die Geschichte des Hinsbecker Hauses mit dem Namen der Familie Derstappen, die über Generationen die Gaststätte führte. Nach mehreren Besitzer- und Pächterwechseln leiten nun seit 2010 Franziska Kellermann und Malek Tulabek das Restaurant und die Pension. Der Name Waldesruh ist übrigens erst seit 1906 verbürgt. Das geschichtsträchtige Jubiläum zu feiern, ist Tulabek "eine Herzensangelegenheit". Doch allein in Nostalgie zu schwelgen ist seine Sache nicht. So ist der Gastronomiebetrieb auf der Höhe der Zeit: Frisches, Vegetarisches, und typische Gerichte mit Pilzen oder Wild stehen je nach Jahreszeit auf der Speisekarte. "Zu unseren Spezialitäten gehört frisch Geräuchertes, sehr beliebt ist auch unser eigenes Brot", erzählt Tulabek. Ob Geräuchertes, Kuchen oder einfach nur ein frisch gezapftes Bier – bei schönem Wetter sitzen die Gäste am liebsten draußen im romantischen Biergarten. Sie genießen dazu die Natur ringsum mit dem idyllischen Teich. Wie früher eben, wenn auch ohne Gondel.

(jobu)