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Nettetal: Immer mehr Katzen landen im Tierheim

Nettetal : Immer mehr Katzen landen im Tierheim

Die Sommerferien bedeuten für das Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich einen "Tierstau". Katzen, Hunde, Kaninchen und Co. werden abgegeben, aber es gibt nur wenige Tierfreunde, die einen Vierbeiner abholen.

Die Katzenschwemme reißt nicht ab. Fast 150 Katzen tummeln sich derzeit im Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich. Die Sommerferien verschärfen das Problem: "Die Leute sind in Urlaub und holen sich — was ja auch vernünftig ist — vorher kein Tier. Wir vermitteln weniger, nehmen aber im Gegenzug genauso viele Tiere auf wie immer", berichtet Ralf Erdmann, der Leiter des Tierheims. "Wir haben derzeit allein an Jungtieren knapp 50 Kätzchen im Alter von drei Tagen bis zwölf Wochen. Dazu kommen noch einmal 100 weitere Katzen. Beide Katzenhäuser sind voll", berichtet Erdmann.

Kleine Kätzchen in unterschiedlichen Farben und Zeichnungen entspannen in Kuschelkissen, spielen selbstvergessen mit Spielzeug und wetzen ihre Minikrallen an Kratzbäumen. Nahm das Tierheim im Jahr 2000 jährlich noch 200 Katzen auf, so waren es 2010 bereits 600. Das Problem sieht Erdmann darin, dass viele Besitzer Freigänger nicht kastrieren — unkontrollierte Vermehrung ist das Resultat. "Viele geben hochschwangere Katzen ab, die angeblich gefunden wurden. Dabei kann man fühlen, dass es die eigene Katze ist, die mit Nachwuchs nun lästig geworden ist", sagt Erdmann aus Erfahrung.

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Der größte Wunsch des Tierheimleiters ist daher eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen. Letztere sollte laut Erdmann auch für diejenigen gelten, die verwilderte Katzen füttern. Wer füttert, übernehme Verantwortung und solle entsprechend auch kastrieren lassen, um das Katzenelend einzudämmen. Das Tierheim selbst gibt nur kastrierte und gechipte Katzen ab, wobei diese sogar vom Tierheim bei der Tierdatenbank Tasso angemeldet werden. "Wir konnten dadurch den Rücklauf der durch uns vermittelten Katzen eindämmen. Dank Chip weiß man, wer der Besitzer ist", erklärt Erdmann.

Jungkatzen bekommen neue Eigentümer zwar unkastriert mit nach Hause, das Tierheim übernimmt aber im entsprechenden Alter die Kastration. Ein Angebot, das nahezu alle nutzen. "Wir machen einen Termin aus, und die Besitzer bringen die Tiere morgens und holen sie abends wieder ab", sagt Erdmann.

Dass in den Sommerferien mehr Tiere als sonst abgegeben werden, kann Erdmann nicht feststellen. Gerade die Chippflicht bei Hunden wirke dem ungemein entgegen. Lebten früher durchschnittlich 60 Hunde im Tierheim, sind es jetzt 18. Im Sommer kämen allerdings häufiger stiften gegangene Rüden vor, die sich auf die Spuren läufiger Hündinnen gemacht haben. Aber dank Chip und Anmeldung bei Tasso können die Flüchtigen schnell wieder ihren Familien zugeführt werden. Aber nicht nur Katzen und Hunde bevölkern derzeit das Tierheim: Zwei Chinchillas und vier Kaninchen warten ebenfalls auf neue Besitzer. FRAGE DES TAGES

(tref)