Nettetal: Gehet hinaus in alle Welt

Nettetal : Gehet hinaus in alle Welt

Das Klischee vom entrückten Pater, der mit dem Kreuz voran durch den Urwald läuft und Heiden bekehrt, ist überholt. Moderne Missionsarbeit ist Entwicklungshilfe. Das ist der weltweite Auftrag der Steyler Missionare.

Die ersten Nachkriegsjahre. Den kleinen Joachim Gloger verschlägt es als Flüchtlingskind nach Mecklenburg. In ein besetztes Gebiet, in eine protestantische Gegend. Dort hält eine kleine katholische Gemeinde unter widrigen Umständen ihren Glauben aufrecht. Ein Wirtshaussaal dient als Kapelle. Gloger ist Messdiener.

Der Pater fährt mit dem Motorrad durch die Gegend, um in den winzigen, weit verstreuten Gemeinden Gottesdienste zu feiern und Sakramente zu spenden. Der junge Messdiener begleitet ihn oft – und bekommt eine Ahnung vom Trost, den der Glauben spenden kann, und von der Macht, die er entfalten kann. In der Person des Paters erfährt er, „was einer bewirken kann, wenn er auf die Fragen der Menschen eine Antwort hat“.

Schlüsselerlebnisse

Das sind Joachim Glogers erste Missionserfahrungen. Denn der Pater war ein Missionar – er ist hinausgegangen und hat die frohe Botschaft verkündet. Für Gloger waren das wohl Schlüsselerlebnisse. Denn Joachim Gloger, heute selbst Pater, hat Mission zu seinem Lebensinhalt gemacht. Seit 48 Jahren lebt und arbeitet er für die „Steyler Missionare“, die volkstümliche Bezeichnung für die von Arnold Janssen 1875 in Steyl bei Venlo gegründete „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (Societas Verbi Divini, SVD).

Über 6000 Steyler Missionare sind weltweit im Einsatz. Darunter sind nicht nur Bischöfe, Priester und Seelsorger, sondern auch Handwerker, Lehrer, Ärzte, Journalisten. Denn die Steyler waren von Anfang an nicht nur Verkünder der frohen Botschaft, sondern auch Entwicklungshelfer. Sie bauen Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Plantagen, Betriebe auf, sie führen sogar Druckereien, Fernsehsender und Universitäten. Gründungen der Steyler befinden sich heute in über 70 Ländern der Erde, darunter sind über 2600 Schulen.

Als Missionare sind also nicht nur (angehende) Priester gefragt, sondern auch Menschen mit eher fachlichem als theologischem Hintergrund. Welche Vorteile ein Missionar zu erwarten habe? „Keine“, pflegt Pater Gloger auf Fragen junger Leute zu antworten. Reichtümer sind bei der Missionsarbeit nicht anzuhäufen – aber dafür unermessliche Lebenserfahrungen. Es gibt bei den Steyler Missionaren daher die Möglichkeit, Missionar auf Zeit zu werden.

Mission, sagt Pater Joachim Gloger, ist überall dort, wo die Botschaft Christi nicht oder nicht mehr erfahren wird. Das kann in Nicaragua und in Botswana, Korea oder Papua Neuguinea sein, aber auch beim Nachbarn im Haus nebenan. Darum ist im Grunde jeder Christ ein Missionar, so Pater Gloger: „Jeder ist aufgerufen: 'Geht hinaus und verkündet die frohe Botschaft‘.“

(RP)
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