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Nettetal: Für erfolgreiche Zukunft Stärken fördern

Nettetal : Für erfolgreiche Zukunft Stärken fördern

Das Projekt "Komm auf Tour" hilft Schülern der Gesamt-, Haupt- und Förderschulen im Kreis Viersen, ihre Potenziale zu entdecken. Anhand eines Erlebnisparcours können die Teilnehmer herausfinden, wo ihre Talente liegen.

Fantasie, Hilfsbereitschaft und handwerkliches Geschick sind drei der sieben Stärken, die Schüler aus dem Kreis Viersen in diesen Tagen beim Projekt "Komm auf Tour" in der Festhalle entdecken können. Die Kampagne der Bundesagentur für Arbeit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des NRW-Schulministeriums soll Schüler der siebten Klassen in Haupt-, Gesamt- und Förderschulen dabei unterstützen, ihre Potenziale zu entdecken.

"Im Bildungsbereich wird immer viel über die Elite geredet. Was wir aber vor allem brauchen, ist ein breit aufgestellter Arbeitsmarkt", sagt Bürgermeister Günter Thönnessen, Schirmherr der Veranstaltung. Dafür sei es notwendig, "auch die Kinder abzuholen, die nicht die gleichen Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben ".

Thönnessen erzählte den Schülern, dass seine Stärke im Reden liege. "In der Schule war ich in den mündlichen Fächern gut. In Latein hat es hingegen nur für eine drei oder vier gereicht", sagte er. Bürgermeister sei daher sein Traumjob. Dafür könne er überhaupt nicht kochen. Und auch als Arzt wäre er vermutlich "eine Katastrophe".

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Seit den ersten Projekttagen 2009 hat sich die Zahl der teilnehmenden Schulen kontinuierlich gesteigert. Dieses Jahr machen rund 750 Jungen und Mädchen aus dem Kreisgebiet beim Erlebnisparcours mit. Gestern haben die Siebtklässler der Hauptschulen Lobberich und Kaldenkirchen und der Gesamtschule Nettetal den Testlauf absolviert.

Und so funktioniert der Parcours: Die Schüler durchlaufen vier Stationen, an denen sie verschiedene Aufgaben erledigen müssen. Beobachtet werden sie dabei von Mitarbeitern der Beratungsstellen im Kreis. Je nach Aufgabe und Lösungsweg bekommen die Teilnehmer Aufkleber, die die jeweilige Stärke symbolisieren. Jessica und ihre Freundin haben sich in der "sturmfreien Bude" (Nachbau einer Wohnung mit Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer) das Tischdecken ausgesucht.

Die beiden Mädchen gehen auf die Gemeinschaftshauptschule Kaldenkirchen. "Wir konnten den Tisch nach unseren eigenen Vorstellungen decken und dekorieren. Das hat Spaß gemacht", sagt die Zwölfjährige. Sie hat im Laufe des Parcours schon einige Stärken gesammelt: zum Beispiel Fantasie und Ordnung. Weitere Anlaufpunkte im Parcours sind das Labyrinth, der Zeittunnel, mit dem die Schüler ins Jahr 2020 reisen, und die Bühne.

"Nach vier Stationen wird geschaut, welche Stärke ein Schüler am häufigsten gesammelt hat", erklärt Dr. Stefan Krings von der BZgA. "Das hat natürlich nur bedingt Aussagekraft. Wir haben nicht den Anspruch, den Schülern ein festes Bild ihrer Stärken aufzuzeigen. Sie sollen einen ersten Eindruck gewinnen", sagt Krings. In den nächsten Monaten sollen die Jungen und Mädchen — auch mit Hilfe ihrer Lehrer — herausfinden, ob die ermittelten Stärken mit ihren Interessen übereinstimmen. "In dieser Hinsicht hat sich viel getan. Die Schulen bauen die Ergebnisse des Projekttages in ihren Unterricht mit ein", sagt Brigitte Jansen von der Stadt Viersen.

Ziel sei es außerdem, den Schülern schon jetzt das breite Spektrum der Ausbildungsberufe zu zeigen. "Es gibt über 300 Ausbildungsberufe", sagt Ingo Zielonkowsky, Leiter der Arbeitsagentur Krefeld. 40 Prozent der Schüler würden sich allerdings auf einen "TopTen"-Ausbildungsplatz wie Industriekaufmann oder Mechatroniker bewerben. Wichtig sei vor allem Spaß an der Arbeit, denn den könne man nicht lernen, sagte Zielonkowsky.

(RP/rl)