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Nettetal: Das Corso-Filmcasino kommt von der Rolle

Nettetal : Das Corso-Filmcasino kommt von der Rolle

Mitte April wird das Kino auf digitale Abspieltechnik umgestellt. Die Töpfers haben das traditionsreiche Haus mit einem Partner erworben.

Das Corso-Filmcasino an der Grenzwaldstraße in Kaldenkirchen rüstet sich für das digitale Zeitalter. Vom 13. bis 15. April schließt das Kino, um am 16. April mit einer technischen Premiere neu zu eröffnen. Spielfilme werden künftig über ein digitales Abspielgerät vorgeführt. Die Zeit der großen Filmrollen ist dann vorbei. Das ist nicht alles. Das Corso erhält einen neuen Soundprozessor, es wird im Sommer außerdem renoviert, barrierefrei umgebaut und erweitert.

Helmut und Harald Töpfer haben einen finanzstarken Partner gefunden, der mit ihnen in die Zukunft geht. Das Kino und das Wohnhaus nebenan wurden von Alexander Krahe, der schon lange in Berlin lebt und arbeitet, erworben. In das Wohnhaus werden Studenten einziehen, mit dem Umbau entsteht rechts im Kino-Untergeschoss ein kleiner Laden. Der Mietvertrag für ein Nagelstudio ist abgeschlossen.

Helmut Töpfer hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Ich konnte zuletzt nur befristete Mietverträge abschließen, da die Zukunft der Kinos allgemein ziemlich ungewiss ist", sagt er. Ohne die Digitalisierung wäre er über kurz oder lang aber aus dem Geschäft. Große Unternehmen wie Disney oder Paramount geben nur noch digitale Produktionen in den Verleih. Und dort, wo Kopien noch auf Polyester (Zelluloid gibt es schon lange nicht mehr) in den Umlauf gebracht werden, wird es für Kinos eng. "Es werden meist 600 bis 700 Kopien in die Kino-Ausleihe gegeben, davon sind aber 80 Prozent in der Regel bereits digitalisiert. Bundesweit gibt es etwa 4100 Kinosäle. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, möglichst früh und überhaupt einen Film zu bekommen", erklärt Töpfer.

Das digitale Abspielgerät ist ein tiefer Einschnitt. Töpfer bekommt meist fünf bis sieben Filmspulen vom Verleih. Damit er den Film zeigen kann, klebt er die Einzelstücke zusammen und zieht sie auf eine große Spule auf. Gibt er sie zurück, muss er sie auseinandernehmen und auf kleine Spulen spielen. In Zukunft erhält er nur eine Festplatte. Am Computer baut er das gesamte Programm auf, von der Werbung bis zum Abspann. Er kann das Kinoprogramm für mehrere Tage im voraus produzieren und muss nicht einmal anwesend sein. "Es schaltet sich alles auf die Sekunde automatisch, selbst der Vorhang vor der Leinwand öffnet sich."

Zum technischen Umbau, der einen sechsstelligen Betrag erfordert, gehört eine neue, etwas größere Silberleinwand, die alte verschwindet. 3-D-Filme kann Töpfer ebenfalls problemlos abspielen — in einer wesentlich ausgereifteren Technik als üblich. "Sie schont die Augen und hat eine ganz ungewöhnliche Brillanz", schwärmt der Kinobetreiber.

Die Besucher werden nicht nur besser sehen und hören können. Im Sommer wird Töpfer die Bestuhlung neu polstern und neuen Teppichboden verlegen. Es gibt seitlich einen barrierefreien Zugang, eine behindertengerechte Toilette wird eingebaut. Kasse und Theke werden verlagert, der Vorbau wird bis zur ersten Stufe vorgezogen. Damit erhält das Corso Platz für ein kleines Bistro, in dem Besucher es sich vor oder nach Vorführungen gemütlich machen können. Und manchmal werden Eltern sich dort die Zeit vertreiben, deren Kinder einen Film drinnen anschauen. Eine moderne Heizanlage mit Blockheizkraftwerk und Wärmetauscher wird auch eingebaut.

Helmut Töpfer bleibt seiner Leidenschaft, dem Kino, treu. Und das Gerücht, das Corso werde bald endgültig schließen, das in Kaldenkirchen gerade wieder die Runde macht, wird verstummen. Töpfer hofft, dass er künftig mehr Kinofreunde anlocken kann.

(RP)