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Nettetal: Ein kleines Stück Geschichte mit Rand

Nettetal : Ein kleines Stück Geschichte mit Rand

Händler und Sammler trafen sich zum 59. Großtauschtag der Briefmarkenfreunde Nettetal. Guido Gahlings kam mit dem Nachlass seiner Tante und holte sich Rat bei den Profis.

Drei dicke Fotoalben überreicht der Krankenpfleger Guido Gahlings einem Briefmarkenprofi. Welchen Wert sie haben, weiß der Breyeller nicht. Eine Erbschaft seiner Tante hat den Mann wieder an sein altes Hobby, das Briefmarkensammeln, erinnert. Mit den Alben ist Guido Gahlings zum 59. Großtauschtag in die Gesamtschule Breyell gekommen. Er möchte seine Deutschlandsammlung vervollständigen.

Vorsichtig zieht Dieter Beckers, Jugendwart bei den Briefmarkenfreunden Mönchengladbach, mit einer Pinzette die Marke "Lübecke Fenster" aus Gahlings Album heraus und hält diese ins Licht. Ein "Knick" auf der Rückseite verrät ihm, dass es sich um ein Original handelt. Der Krankenpfleger lächelt und sagt: "Das freut mich ja."

Auch an der Riffelung könne man Fälschungen erkennen, erklärt ihm der Profi. Dieter Beckers zeigt, warum welche Marken für die Händler und Sammler interessant sind und welche einen sehr geringen Wert haben. "Die Auflage ist bei vielen einfach zu hoch, das bringt wenige Cent pro Stück", erläutert der Mönchengladbacher und schiebt seine Brille zurecht. Ein Verkauf würde für Guido Gahlings demnach bei einigen Marken keinen Sinn machen.

Der Krankenpfleger hat neben den alten Alben seiner verstorbenen Tante auch seine Deutschlandsammlung mitgebracht. Diese wird ebenfalls vom Profi bewertet. Eins steht nach kurzer Zeit für den Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Nettetal fest: "Wir haben große Lücken in der Sammlung."

In seinem Koffer trägt der Breyeller die Briefmarken von einem Stand zum anderen. Bei einem Sammler hat der Mann seine Erbschaft kurz abgegeben. Die Marken, die noch einen Rand haben, hat der Profi für sich weggelegt. Auf den Tischen liegen Unmengen von Alben, stehen Kartons voller Postkarten, sorgfältig sortiert, große Koffer werden von einem Sammler zum anderen gezogen. Das Briefmarkensammeln – ein Hobby, das besonders ältere Herren fasziniert.

Das bedauert auch der Krankenpfleger und Stationsleiter im Städtischen Krankenhaus Nettetal, Guido Gahlings: "Es ist ein Stück Zeitgeschichte, das man sammelt und das ist auch für Kinder und Jugendliche interessant", so der Breyeller. Gemeinsam mit seiner 17-jährigen Tochter Hannah hat er deshalb beschlossen, sein altes Hobby wieder aufzunehmen. Hier in der Gesamtschule bekommt der Hobbysammler viele Tipps von den Profis, daneben auch eine ehrliche Meinung: "Der Wertverfall ist riesig, denn die Jugend sammelt nicht mehr", beklagt Dieter Beckers.

"Ein Stück Zeitgeschichte" verstaut Gahlings wieder in seinem schwarzen Koffer. Zu Hause will er sich mit Tochter Hannah einen Überblick verschaffen, was den beiden noch fehlt, um die Deutschlandsammlung komplett zu machen. "Das ist noch jede Menge Arbeit, aber es macht Spaß", sagt Gahlings und verlässt den 59. Großtauschtag – mit einem Lächeln.

FRAGE DES TAGES

(janj)