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Nettetal: Spätes Frühjahr: Bauern arbeiten auch abends

Nettetal : Spätes Frühjahr: Bauern arbeiten auch abends

Zurzeit werden im Eiltempo Rüben und Kartoffeln ausgesät. Der lange Winter könnte für die Landwirte auch Umsatzeinbußen bedeuten.

Bernd Drößer hat in den vergangenen acht Tagen wenig geschlafen. Bis 22 oder 23 Uhr war der Landwirt mit seinen Mitarbeitern täglich auf dem Feld in Dülken-Ransberg unterwegs, um Kartoffeln anzupflanzen. "Wir müssen den rund dreiwöchigen Zeitverlust durch den langen Winter wieder reinholen", erklärt er die ungewöhnlich langen Arbeitszeiten. Schon jetzt weiß der Landwirt, dass die Ernte der frühen Kartoffeln, die normalerweise um den 20. Mai beginnt, in diesem Jahr deutlich verspätet sein wird. Die Kartoffeln stecken zwar unter Folie, doch bei wenig Sonnenschein kann auch die ihre wärmespeichernde Wirkung nicht entfalten.

Bei Bernd Fitzen in Dülken ist zurzeit die Rübensaat in vollem Gange, auch Kartoffeln kommen in den Boden. Das Risiko für erneuten Nachtfrost ist zwar auch zu dieser Jahreszeit nach wie vor hoch. "Damit müssen wir aber in jedem Jahr rechnen, das ist nichts Besonderes", erklärt der Landwirt. Er setzt jetzt auf anhaltend besseres Wetter, mit höheren Temperaturen, Sonnenschein, aber auch Regen. "Nur Petrus kann unseren Zeitverlust noch aufholen", meint er.

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Kreislandwirt Paul-Christian Küskens kennt die Nöte der Bauern. "Vor allem Regen ist jetzt dringend nötig. Denn durch den anhaltenden Frost sind die Böden völlig ausgetrocknet." Bei den unterschiedlich spezialisierten Betrieben seien auch die Probleme unterschiedlich groß: "Die Zuckerrüben liegen noch gut in der Zeit, auch der Mais ist noch gut dran. Getreide bildet zurzeit Seitentriebe aus, dort sind bald die ersten Pflanzenschutzmaßnahmen fällig. Besonders schwierig wird es für Freiland-Gemüse- und Kartoffelbauern", prophezeit der Experte. Auch die Spargelsaison wird in diesem Jahr besonders kurz ausfallen.

Besonders die sogenannten frühen Kulturen haben unter dem langen Winter gelitten. Bei den Gemüsebauern wird zum Zeitpunkt der Ernte erst klar werden, wie viel Prozent des Ertrages unbrauchbar sind. Gemüsebauern mit Treibhäusern können zwar bessere Ernten erwarten, aber auch eine wesentlich höhere Stromrechnung als in den vergangenen Jahren. Auch bei den Kartoffelbauern sorgen die frühen Kulturen für Sorgen. "Wir haben natürlich nun innerhalb einer mehrwöchigen Zeitspanne keine Einnahmen, weil die Frühkartoffeln noch nicht verkauft werden können", erklärt Bernd Fitzen.

Ist diese Durststrecke überstanden, steht eventuell — je nach kommender Wetterlage — schon die nächste an: Denn durch die Zeitverzögerung werden sowohl frühe als auch späte Kulturen gleichzeitig auf den Markt kommen. Es droht eine regelrechte "Kartoffelschwemme" und in der Konsequenz sinkende Verkaufspreise für die Produzenten. Bernd Drößer rechnet gar mit einem Umsatzverlust von bis zu 20 Prozent.

(RP/rl)