Rheurdt: Wenn die Retter knapp werden

Rheurdt: Wenn die Retter knapp werden

Die Personaldecke der Freiwilligen Feuerwehr in Rheurdt ist tagsüber eng.

Karl-Peter Hauser ist Feuerwehrmann durch und durch. Als der Schaephuysener 60 Jahre alt wurde, schied er nicht aus dem aktiven Dienst aus, sondern verlängerte um drei Jahre. "Doch mit 63 war Schluss", sagt der 68-jährige Wirt. "Aktiver Dienst ist dann nicht mehr erlaubt. Ich kann diese Reglementierung gar nicht verstehen. Sie benachteiligt Personen, die älter sind. Dabei bin ich im letzten Jahr beim Augenarzt und beim Hausarzt gewesen. Mein Lastwagenführerschein wurde verlängert. Ich darf aber im Einsatz keinen Feuerwehrwagen mehr fahren, obwohl bei der Freiwilligen Feuerwehr tagsüber Personal fehlt. Das ist verrückt."

Er ist kein Einzelfall. Sein Bekannter Franz Icks könnte auch noch für die Feuerwehr eine Tagesreserve bilden. "Aber ich darf nicht mehr", sagt der 67-jährige Schaephuysener mit Blick auf den 22. Paragrafen der "Verordnung über die Laufbahn der ehrenamtlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr".

Wenn in NRW - wie in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern - freiwillige Feuerwehrleute bis 67 aktiv sein dürften, könnten Senioren wie Karl-Peter Hauser und Franz Icks das Problem teilweise lösen, das fast alle Feuerwehren außerhalb der Großstädte kennen. Von montags bis freitags sind tagsüber die Feuerwehrleute knapp, die sofort zu einem Brand oder einer technischen Hilfeleistung eilen können - auch in Rheurdt.

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"Die Personalverfügbarkeit tagsüber ist nicht ausreichend", sagt Andreas Pokorny. Der Mitarbeiter des Bonner Planungsbüros Forplan erstellte maßgeblich die Expertise zum Brandschutzbedarfsplan, die er bei der jüngsten Sitzung des Rates erläuterte. "Abends und an Wochenenden ist genügend Personal da." Als der Rat bei dieser Sitzung einstimmig beschloss, die Struktur der Feuerwehr mit zwei Standorten zu erhalten, gab er gleichzeitig den Blauröcken den Auftrag, bis Ende 2017 ein Handlungskonzept mit dem Ziel vorzulegen, die Tagesverfügbarkeit zu verbessern.

Die meisten Feuerwehrleute arbeiten auswärts, zum Beispiel in Neukirchen-Vluyn, Moers oder Duisburg. Daran hat sich in den letzten Jahren nichts geändert.

(got)